Zins und Konjunkturhoffnungen beginnen wieder, die Tendenz an den deutschen Aktien- und Rentenmärkten zu bestimmen. Zur Wochenmitte hatten die Gefahren, die sich weltweit entwickeln können, keinen Einfluß mehr auf die Anlageentscheidungen. Es wurde „auf Frieden spekuliert“.

Damit gewannen die wirtschaftlichen Fakten ihren Einfluß zurück. Dazu gehören sowohl eine fortschreitende Zinssenkung (die berühmte „Acht vor dem Komma“ ist in den Bereich der Möglichkeiten gerückt) als auch die Aussicht auf eine Belebung der Konjunktur spätestens im kommenden Jahr.

Die Ausgangsposition für eine weitere Anhebung der Aktienkurse ist günstig. In den letzten Wochen hatte der Börsenberufshandel im Zusammenhang mit dem Falkland-Konflikt vorsichtshalber seine überschüssigen Bestände abschmelzen lassen, so daß es „Überhänge“ kaum noch gibt. Anlagekäufe einiger Fonds führten am Wochenbeginn zu deutlichen Kurssteigerungen.

Gekauft wurden nicht nur zinsreagible Papiere wie Bank- und Großchemie-Aktien, sondern auch die in den Vorwochen stärker gedrückten Aktien der Maschinen- und Autoindustrie. Sie hatte man als Leidtragende sinkender Ölpreise eingestuft. Weil zu befürchten ist, daß die Ölförderländer jetzt ihre Investitions- und Importpolitik überprüfen werden. Das würde zu Lasten der deutschen Anlagenbauer, also auch der großen Baukonzerne gehen. Inzwischen haben die Kurse ihrer Aktien aber offensichtlich wieder ein für Anleger interessantes Niveau erreicht. Still geworden ist es um die VW-Aktien. Wegen der außerordentlichen Belastungen im Beteiligungs- und Auslandsbereich sind sie „Image-geschadigt“. K. W.