Wenn genaue und vor allem aktuelle Zahleninformationen rar sind, dann gedeihen Gerüchte und vage Vermutungen besonders gut. So läßt sich denn wohl auch die hartnäckige Existenz der Behauptung verstehen, die Noch-nicht-Verabschiedung der Investitionszulage im Rahmen des Bonner Beschäftigungsprogramms erweise „sich zusehends als eine gut greifende Konjunkturbremse“ – zuletzt hat es der Spiegel so gesagt.

Genährt wird diese These etwa vom Sparkassen-Präsidenten Helmut Geiger. Emsig tragen auch die Industrie- und Handelskammern zu der Version bei, die Unternehmer hielten sich mit ihren Investitionen zurück, weil sie sich der Zulage nicht sicher seien.

Freilich: Mit stichhaltigen Beweisen geizen sie alle. Kaum einer reibt sich an dem offenkundigen Widerspruch zwischen der Zurückhaltungs-These und der unter anderem von dem FDP-Politiker Dieter Julius Cronenberg verbreiteten und weithin unumstrittenen Annahme, daß kein Unternehmer um der Zulage willen investiere oder ihretwegen seine geplanten Investitionen auch nur vorziehe.

Demnach brauchte sich kein Unternehmer von den Bonner Unsicherheiten anstecken zu lassen: Alle Details der versprochenen Zulage sind ihm bekannt, und außerdem hat ihm Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff fest versprochen, daß sie rückwirkend zum 1. Januar gezahlt werde.

Verständlich ist das typische Lobbyisten-Gerede über die konjunkturbremsende Wirkung der Verzögerung der Investitionszulage überhaupt nur angesichts des Fehlens aktueller Daten. Die letzte amtliche Statistik über die Auftragseingänge im Investitionsgütergewerbe stammt vom Februar. Damals wurde die Zulage beschlossen, doch wurden wichtige Details erst Anfang März geklärt. Selbst wenn sich aber demnächst auch für den März eine flaue Investitionskonjunktur ergeben sollte, ist damit noch nichts über ihre Ursachen gesagt – das Statistische Bundesamt betreibt nun mal keine Motivforschung.

Hans-Hermann Jürgensmann, Grundsatz-Experte des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), gehört ebenfalls zu den Anhängern der Zurückhaltungs-These; auch er beruft sich dabei auf nicht mehr recht zeitgemäße Umfragen vom Februar. Auf hartnäckiges Befragen räumt er jedoch ein, daß sich diese Zurückhaltung nur noch auf „marginale Größen“ beschränke – etwa auf den Kauf eines Autos, der ebensogut jetzt wie auch später vorgenommen werden könne, Wenn es mehr nicht ist...

Nach Ansicht der SPD-Bundestagsfraktion sollten die Anträge auf Bewilligung einer Kur „nicht hinter das gesetzlich zulässige Maß“ zurückgehen. Ein Allerweltsappell, Kaum der Rede wert – irritierte da nicht die Absender-Angabe. Denn nicht die Gesundheitspolitiker haben sich da gemeldet, sondern eine vom Abgeordneten Franz Müntefering geleitete Arbeitsgruppe Fremdenverkehr, unterstützt von den Fraktionsgeschäftsführern Carl Ewen und Jürgen Linde.