Monarchen gibt es mehrere in dem kleinen Großherzogtum Luxemburg – sogar einen Kaiser. Genauer gesagt, handelt es sich um „den Kayser“. Unter diesem Namen kennt das halbe Land den Doktor Prosper Kayser, Arzt und Winzer, Museumsdirektor und Fremdenführer, Antiquitätensammler und Original. Welches heute sein Hauptberuf ist, läßt sich nicht mehr feststellen; wohl aber ist sein Aufenthaltsort bekannt – zumindest zwischen Ostern und Oktober: das Possenhaus in dem kleinen Luxemburger Ort Bech-Kleinmacher bei Remich, direkt an der Mosel

„A Possen“, das ist Kaysers Werk. Er hat das 1617 erbaute Haus zu einem der lebendigsten Museen des Landes gemacht, zum „Musée folklorique et viticole“ zum „Folklore- und Weinmuseum“. Sieben Jahre hat er daran gebastelt, hat sich bei Freunden und Patienten nach alten Möbeln und Hausrat umgesehen. Im Jahre 1972 dann öffnete er sein Museum dem Publikum. Aber richtig fertig wird es wohl nie werden, denn immer wieder findet der Kayser ein Stück, das sich noch mühelos im Haus unterbringen läßt.

Dabei gibt das Museum heute schon einen sehr guten Einblick in das Leben der Leute vor ein- bis zweihundert Jahren: Wie die Winzer Wein machten, wie eine Schusterwerkstatt, aussah, wie die Hausfrau im Keller, oder in der Schwarzküche schuftete.

Wer ganz genau hinsieht, erkennt in Details die Liebe, die der Kayser in sein Haus hineingelegt hat: Die Schlafkammer ist fast schmucklos bis auf einen kleinen Rahmen, in dem ein Hochzeitskranz mit Myrtenblüten aufbewahrt wird; in der Faßwerkstatt könnte ein Küfer sofort wieder die Arbeit aufnehmen; in der Küche steht ein Teller im Geschirrbord mit der Aufschrift „Nur die Ruhe kann’s machen“.

Überhaupt – die Küche, Traum aller Hausfrauen des 18. und 19. Jahrhunderts, Alptraum heute, aber ein exquisit restaurierter: fließend Wasser aus der Pumpe, ein Backofen, der mit Holz zu heizen ist, und noch heute benutzt werden kann eine offene Feuerstelle. Der ganze Raum schwarz von Rauch, und von der Decke hängen Schinken und Speckseiten.

Das Feuer heizte die Stube nebenan über die „Taakeplatt“ – Öfen waren früher Luxus in Luxemburg. Sie wurden nur bei Krankheiten oder Geburten von der reichsten Familie im Dorf ausgeliehen.

Es ist gut, als Besucher ein wenig Zeit mitzubringen – besser ist es allerdings, viel Zeit zu haben. Denn nach dem Blick in den Weinkeller und die Webstube, in die Puppensammlung und in ein zweites altes Haus, das „Muedelshaus“, wartet hier in der urigen Trinkstube ein Karussell besonderer Art: acht Gläser im Rund, gefüllt mit „kayserlichem“ Wein vom Luxemburger Ufer der Mosel.