Von Viola Roggenkamp

Lübeck

Großes Polizeiaufgebot vor dem Lübecker Landgericht. Zuschauer werden nach Waffen, Journalisten nach Photoapparaten durchsucht. Beides darf in den Gerichtssaal nicht mitgenommen werden. Drinnen ist jeder Platz besetzt, ist die Stimmung unter den fünf Angeklagten bestens. Man fühlt sich gelassen bis heiter. Es geht um Mord, um einen Fememord unter Rechtsradikalen.

Der 26jährige Johannes Bügner, Mitglied der neofaschistischen Hamburger „Aktionsfront Nationaler Sozialisten“ (ANS), war am Himmelfahrtstag vergangenen Jahres von seinen politischen Freunden „liquidiert“ worden, mit über 20 Messerstichen in Brust und Rücken sowie durch einen Halsschnitt.

Es war ein Exempel gewesen, zu dem wahrscheinlich der im Hochsicherheitstrakt der Celler Vollzugsanstalt sitzende Michael Kühnen, „Gau-Führer“ der ANS, den Auftrag gegeben hatte. Johannes Bügner war homosexuell gewesen. Getreu den Grundsätzen der Altnazis hatte er darum sterben müssen.

„Ich weiß“, sagt Richter Kröger, der sich alle Mühe gibt, jovial, fast väterlich-freundlich im Ton zu sein, „Sie hatten mir geschrieben, wir sollten am 20. April nicht verhandeln. Aber sehen Sie, das Material ist so umfangreich, 22 Zeugen und sieben Sachverständige, wir schaffen es sonst nicht“, wendet er sich an den Angeklagten Friedhelm Enk, der „Führers Geburtstag“ lieber in der Zelle als Gedenktag verbracht hätte,

„Ich bin furchtbar traurig darüber“, sagt der stiernackige 29jährige Mann, „aber ich habe mich damit abgefunden.“ – „Das ist schön“, nickt der Richter, während Kampfsau-Oma, wie der bullige Friedhelm in seinen Kreisen genannt wird, sich zufrieden grinsend in seiner schwarzen Lederjacke räkelt.