Manfred Lahnstein: Urheber der totgeborenen Idee, das Bundeskabinett umzubilden

Von Gunter Hof mann

Bonn im April

Während Helmut Schmidt und seine Partei auf ihrem Treffen in München herauszufinden suchten, was sie wollen, was sie aneinanderbindet, wie sie noch einmal aus der Defensive herausfinden könnten, hielt in Bonn ein Mann die Stellung, der mehr als nur Stallwächter im Kanzleramt ist: Manfred Lahnstein.

Der Staatssekretär und Chef des Kanzleramts wirkt nicht wie eine graue Eminenz. Von Hans Globke, dem stillen Mächtigen an Adenauers Seite, oder von seinem Vorgänger Manfred Schüler – intern von geräuschloser Effizienz, nach außen von mönchischer Zurückhaltung – hat er das Auftreten gewiß nicht geerbt. Lahnsteins Temperament ähnelt eher dem Kanzleramts-Chef zu Willy Brandts Zeiten, Horst Ehmke. Er schlägt sich für seinen Chef, für Helmut Schmidt, in Spiegel-Gesprächen, in Rundfunk-Interviews, bei vielen anderen Gelegenheiten. Er ist nicht nur ein Mann für den Hintergrund. So kennt man ihn: Die Chef-Zigarre in der Hand, leger, immer ein bißchen junger Held (Jahrgang 1937), ein Mann mit augenfälligem Selbstbewußtsein und rheinischem Witz an der Seite des kühlen Hamburger Kanzlers.

Auch bei den Plänen zum "Kabinetts-Revirement", das nun doch keines wird, ist sein Name immer wieder genannt worden. Ernsthaft wurde erwogen, Lahnstein solle Hans Matthöfer als Finanzminister ablösen. Daran ist abzulesen, wie hoch er eingeschätzt wird. Vor der Aufgabe hätte er sich übrigens nicht gefürchtet. Manche sehen in ihm den Urheber des Revirements. Jetzt wird der Kabinettsumbau offenkundig auf das Kanzleramt, wenn nicht gar nur auf das "Kleeblatt", also die unmittelbare Umgebung des Kanzlers beschränkt: Klaus Bölling und Hans-Jürgen Wischnewski sollen ihre eigenen Nachfolger Kurt Becker (Bundespresseamt) und Gunter Huonker (Staatsminister im Kanzleramt) wieder ablösen. Einer jedoch bleibt unangefochten oder wird allenfalls für Höheres aufgestellt: der Chef des Kanzleramts.

Kein stummer Diener