Soltau

Die schon im Februar veröffentlichten Seminar-Programme mußten eingestampft werden, Ministerpräsidenten-Gattin Heidi-Adele Albrecht kann ihren Festvortrag „Humor – die Zierde des Alters“ bei anderer Gelegenheit halten. Die für den 15. April, den 150. Geburtstag Wilhelm Buschs vorgesehene feierliche Eröffnung der Soltauer „Wilhelm-Busch-Akademie für Altersfragen und Lebenskunst“ fand nicht statt. Ihr Erfinder, der Psychologe Ulrich Beer, mußte die Verwirklichung eines seit zehn Jahren gehegten Wunsches wegen einer „Finanzierungslücke von mindestens einer Million Mark“ vertagen.

Vor rund einem Jahr hatte er die Stadtväter Solaus mit seiner Idee vertraut gemacht. Damals hatte Ulrich Beer die leerstehende Villa Röders entdeckt und sie als Sitz seiner Senioren-Akademie vorgeschlagen. Seither gingen die Wogen des Für und Wider hoch. Bis zum Eröffnungstermin gab es weder eine Prognose über kostendeckende Belegungszahlen, noch wurde eine Rechnung über die Folgekosten aufgemacht. Nur über die Umbaukosten für die Villa Röders hatte man sich Gedanken gemacht. Drei Architekten errechneten 2,5 Millionen Mark, Beer kam auf 3,4 Millionen Mark. Ohne daß auch nur ein Handschlag, am vorgesehenen Akademie-Gebäude getan war, luden die Verantwortlichen zur „feierlichen Eröffnung“. Aus gutem Grund: Die Kreissparkasse, der die Villa Röders seit 1963 gehört, wollte das zu verfallen drohende „städtebauliche Juwel“ nach drei fehlgeschlagenen Verkaufsversuchen endlich loswerden. Und die Initiatoren wollten möglichst bald Subventionen für den Betrieb der Alteneinrichtung bekommen. Als Beer noch dazu Niedersachsens Sozialminister Hermann Schnipkoweit (CDU) die „grundsätzliche Bereitschaft“ des Landes abringen konnte, den Umbau der Villa Röders mit einer Million Mark zu unterstützen, nahm die Idee des Psychologen Formen an.

Ulrich Beer, der 1980 als Stadtschreiber nach Soltau kam und seither kostenlos in einer Dichterwohnung logiert, konnte auf seine Popularität bauen. Bekanntgeworden durch seine Kommentare in der ZDF-Sendereihe „Ehen vor Gericht“ sowie zahlreiche Bücher zur psychologischen Selbsthilfe („So wird die Ehe gut“ – „Mit Lust und Liebe“ – „Mut zum Glück“ – „Das Alter erlernen“), galt er als Respektperson in der kleinen Heidestadt. „Auf Grund seiner Bekanntheit“ sowie seiner „Erfahrungen und seiner Tätigkeiten“, so ließ Soltaus Stadtdirektor Jürgen Fenner die Ratsherren wissen, sei – anzunehmen, daß Ulrich Beer Zuspruch und „wissenschaftlichen Erfolg“ der Lebenskunst-Akademie garantiere.

Der 51jährige Autor, der gern vor „Magiern und Gurus“ warnt, wollte die Seminare nicht allein bestreiten. Per Rundschreiben fragte er bei Volkshochschul-Referenten an und bat um ehrenamtliche Mitarbeit. Denn verdienen sollten in der Akademie „nur die Putzfrauen“. Die freiwilligen Fachleute: Kreissparkassendirektor Hermann Bull, der über den „Umgang mit Geld und Banken“ berichten wollte; Pastor Heinrich Kröger, der über „Leben nach dem Leben“ philosophierte und Landrat Buhr, dessen Thema „Gesellschaft und Umwelt in Gemeinde und Staat“ sein sollte.

Im trauten Kreis beim Tee ließ Ulrich Beer auch wissen, er wolle „wissenschaftlicher Leiter oder was immer“ werden und reklamierte eine kleine Wohnung in der Villa für sich.

Wie Beer ein „umfassendes Bild des neuen Lebensabschnitts und Hilfen zu seiner positiven Gestaltung erarbeiten“ wollte, ist ansatzweise seinem Buch „Selbsttherapie“ zu entnehmen. Alkoholabhängigen empfiehlt er klipp und klar: „Da gibt’s nur eins; ganz und gar aufhören“. Wenn es so schnell nicht klappt, rät der Autor: „Ich besorge mir Reiseprospekte. Ich plane eine Reise, auch wenn ich sie nicht sofort antreten kann“.