Von Jes Rau

Er sieht nicht gerade aus, wie man sich den Leiter einer amerikanischen Spar- und Darlehenskasse vorstellt: die wohlfrisierten Haare schulterlang. Der maßgeschneiderte Anzug nach dem letzten Schrei. Man kann sich leicht vorstellen, welches Aufsehen A. C. Meyer erregte, als er vor einem Monat bei einem Managementseminar in San Diego auftauchte – begleitet von seiner Frau, einer schwarzhäutigen Schönheit, langbeinig und blutjung. Das Paar wurde bewundert wie Stars aus Hollywood.

Seitdem hat man die beiden aber auf keinem der üblichen Cocktailempfänge oder bei irgendeinem anderen gesellschaftlichen Anlaß gesehen. Und das ist verständlich. Denn wahrscheinlich würde man mit Fingern auf Meyer zeigen und tuscheln: Das ist er, der „loser“, der Verlierer und Hasardeur, der Fidelity Savings in Oakland ruiniert hat.

An der Spitze einer untergegangenen amerikanischen Sparkasse gestanden zu haben, sollte eigentlich längst nichts Ehrenrühriges mehr sein. Denn von solcherart gescheiterten Bankiers gibt es mittlerweile in den USA eine ganze Menge. Fast täglich ist in amerikanischen Tageszeitungen zu lesen, daß da mal wieder irgend so eine Savings Bank (Sparkasse) oder eine Savings and Loan Association (Spar- und Darlehenskasse) in Schwierigkeiten geraten ist und die Bankenaufsichtsbehörden die Fusion mit einem stärkeren Geldinstitut arrangiert haben.

Im Gegensatz zu den übrigen gescheiterten Bankmanagern freilich weigerte sich A. C. Meyer (das A. vor seinem Namen steht für Adolph, kein sehr populärer Name, weshalb Meyer den Vornamen Jay gewählt hat), bei einer solchen unfreiwilligen Fusion mitzumachen. Das Resultat des Widerstands: Meyers Fidelity Savings wurde in der vergangenen Woche von Vertretern der amerikanischen Bankenaufsichtsbehörde regelrecht „erobert“.

Kurz vor Schalterschluß drang eine zwanzig Mann starke Truppe der Einlagenversicherung Federal Savings and Loan Insurance Corporation (FSLIC) in das Verwaltungsgebäude der Fidelity Savings in der Innenstadt von Oakland (Kalifornien) ein. Dreihundert weitere Leute kreuzten zur selben Zeit in den Filialen der Bank auf. Die ungebetenen Gäste teilten Meyer mit, daß sie hiermit Geschäftsleitung und Vermögen der Sparkasse übernähmen, und forderten ihn auf, zusammen mit den drei Vorstandsmitgliedern seinen Rücktritt zu erklären.

Meyer und seine Kollegen weigerten sich. Daraufhin wurden sie für entlassen erklärt. Nach einem erhitzten Wortwechsel rückte Meyer schließlich die Schlüssel der Bank und seine Geschäftskreditkarten heraus und verließ das Gebäude.