Peter von der Heydt: „Blick übers Meer. Anmerkungen zu den deutsch-amerikanischen Beziehungen.“ Dieses Bändchen ist das Plädoyer eines Konservativen (von der Heydt ist seit 1976 CDU-Mitglied des Bundestages), der aus seiner Sympathie für Ronald Reagan keinen Hehl macht. Manche seiner politischen Rezepte mögen fragwürdig, gar ärgerlich sein. Doch die meisten seiner Einsichten bieten auch Linken und Friedensbewegten Stoff zum Nachdenken. Etwa: „Wer glaubt, die Wiedervereinigung Deutschlands im Nebel der neutralistischen Blockfreiheit erstreben zu können, verkennt... neben den Gefahren des Freiheitsverlustes auch das Friedens- und Sicherheitsinteresse aller Nachbarn Deutschlands.“ Oder: „Es ist ein Irrtum anzunehmen, daß Atomwaffen dann ihre Gefährlichkeit verlören, wenn ihnen keine atomare Gegenmacht mehr gegenüberstünde.“ Und: „Ohne die USA ist Westeuropa derzeit nicht zu verteidigen.“ In Zeiten, wo der „häßliche Amerikaner“ überlebensgroß als Popanz im deutschen Streit über Außen- und Sicherheitspolitik herhalten muß, tut Nüchternheit not. Oder die Rückbesinnung auf das Wesentliche. Zum Beispiel: „Staaten können und sollen sich nicht lieben oder hassen. Sie müssen ihre Interessen erkennen, definieren und danach handeln. Die Vereinigten Staaten und die Bundesrepublik haben mehr gemeinsame als gegensätzliche Interessen.“

Von der Heydt hat recht: Staaten sollen sich nicht lieben oder hassen, sondern ihre Interessen erkennen. Was aber sind die Interessen der Bundesrepublik? Die Antworten des Autors sind eindeutig, aber nicht einäugig – ein intelligenter, provozierender Beitrag zur „Lage der Nation“ in einer zweideutigen Zeit. (Neske-Verlag, Pfullingen 1981, 91 S., 16,80 DM.) Josef Joffe

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Urs Schwarz: „Vom Sturm umbrandet. Wie die Schweiz den Zweiten Weltkrieg überlebte.“ Das neue Buch des Autors weltpolitisch-strategischer Werke, der lange Jahre mit der Redaktion der neuen Zürecher Zeitung auf das engste verbunden war, wurde von seiner Gattin, der Schriftstellerin Margot Schwarz, aus dem Englischen übersetzt. Die Darstellung wendete sich also zunächst an amerikanische Leser, das erklärt die knappe objektive Art, die keine besonderen Kenntnisse voraussetzt, und ihre Verbindung mit persönlicher Erinnerung. Manche in der Diskussion gebliebenen Einzelheiten findet man ausführlicher in anderen Werken, die nur zum Teil in der Bibliographie genannt werden – ob es den Gotthardtbund betrifft, der dem offiziellen Widerstandswillen vorausging, die Besonderheiten der Zensur, das von der Schweiz angeregte Anbringen eines „J“ im Paß jüdischer Emigranten aus Deutschland. Noch bleibt – verständlicherweise – die Auseinandersetzung mit dem Geschichtsrevisionismus ausgespart, der gegenwärtig in der Schweiz hervortritt. Doch liegt dem Autor jede Glorifizierung fern. Ein Beispiel unter vielen für seine kritische Sicht: Um die Amerikaner zu beschwichtigen legt die Schweiz am Tag der deutschen Kapitulation das Schutzmachtmandat nieder, das sie für die Deutschen wahrgenommen hatte. Dazu Schwarz: „Es war kein mutiger Entschluß und bestimmt nicht im Sinne der humanitären, zuvor mit so großem Erfolg unternommenen und immer noch von Bern so gerne propagandistisch ausgewerteten Schutzmachtaufgabe.“ Besonders anschaulich und aufschlußreich sind die militär- und wirtschaftspolitischen Abschnitte geraten. Hier wird über die Selbstbehauptung, in der sich Verstand und Glück verketteten, eines den kriegführenden Mächten auf verschiedene Weise nützlichen, doch vor allem wehrhaften Kleinstaates berichtet. Es war in jedem Sinn eine Bewahrung und in vielen Hinsichten auch eine Bewährung. Sie hat für die Schweiz – vielleicht nicht für sie – immer noch aktuelle Bezüge. (Verlag Huber, Frauenfeld/Stuttgart, 304 S., 36,– DM.)

François Bondy