Drei Jahre nach dem Einstieg der Jugoslawen steht das Unternehmen wieder am Abgrund

Wenn die Fabrik in Taiwan läge, würden wir vielleicht einsteigen“, bedauerte vor vier Jahren ein Sprecher der Grundig AG, als die Körting Radio Werke in Grassau im idyllischen Chiemgau am Ende schienen. Der um die Erhaltung der Arbeitsplätze bemühte bayerische Wirtschaftsminister Anton Jaumann holte sich bei allen großen Unternehmen der Branche einen Korb.

Der Retter in letzter Minute fand sich dann im sozialistischen Jugoslawien: Der Genossenschaftskonzern Gorenje kaufte sich mit zwanzig Millionen Mark in Grassau ein und bekam dafür 4,5 Millionen Mark Fördermittel vom bayerischen Staat. Doch in dreieinhalb Jahren haben bisher die Jugoslawen, so klagt Betriebsratsvorsitzender Erich Leitner, „nur Miese gemacht“. Die bittere Konsequenz: Die Existenz des Unternehmens steht wieder einmal auf dem Spiel, auch wenn sich vorerst alle Beteiligten gegen diese Vorstellung wehren.

Beschlossen ist bereits, die Belegschaft abzubauen. Ursprünglich hatte Gorenje nur 800 der damals 1300 Mitarbeiter von Körting übernommen, dann aber die Beschäftigtenzahl innerhalb von eineinhalb Jahren wieder auf 1400 ausgeweitet. Doch diese hoffnungsvolle Entwicklung währte nicht lang; denn bald erwies sich die ungezügelte Expansion als großer Fehler. Ende 1980 wurde klar, daß sich die hochgespannten Umsatzerwartungen der Jugoslawen nicht erfüllt hatten und das sozialistische Prestigeobjekt im kapitalistischen Westen auf brüchiger Basis stand. Gorenje konnte als Erklärung nur noch auf die allgemeine Misere in der Branche verweisen: „Grundig ist in der gleichen Lage wie wir, dort werden ganze Werke geschlossen.“

Die Belegschaft von Körting ist inzwischen wieder abgebaut worden. Ende letzten Jahres hatte das Werk nur noch knapp tausend Beschäftigte. Bereits im November wurde die Kündigung von 170 Mitarbeitern beschlossen, um die aufgeblähte Verwaltung zu verkleinern. Minister Jaumann deutete im Januar sogar an, daß ein weiterer Personalabbau bei Körting unvermeidlich wird, wenn keine Kooperation mit anderen Firmen zustande kommt.

Allen Ernstes erzählte ein Unternehmenssprecher im selben Monat dem Handelsblatt, daß sich die Situation bei Gorenje Körting 1981 „merklich aufgehellt“ habe, daß der Umsatz um elf Prozent auf rund 200 Millionen Mark gestiegen sei und für 1982 ein weiteres Wachstum um siebzehn Prozent angepeilt werde.

Erst jetzt, da überraschend nochmals 220 Beschädigten – vor allem in der Vorfertigung – gekündigt wurde, räumt Marketing-Direktor Horst Fangerau ein, daß Jaumann „recht gehabt“ habe: In einigen Monaten werden bei Körting allenfalls nur noch 530 Mitarbeiter übrig sein, die 70 Auszubildenden inbegriffen.