Die Rue Du Faubourg Saint-Honoré in Paris – eine unscheinbare Meile voller Luxus

Von Klaus Viedebantt

Zum Einkaufsbummel auf die Champs-Elysees? Sagt mal, wann wart Ihr denn zum letztenmal in Paris?“ fragten unsere Freunde mit hörbarem Entsetzen. Man geht nicht mehr auf den einstigen Prachtboulevard, es sei denn, man geht ins Kino. Ansonsten ist die Avenue den Provinzlern und den Gaunern, die sie ausnehmen wollen, überlassen; Paris opferte „seine“ Straße den jugendlichen Rockern und jenen Kerlen jeden Alters, die auf Touristinnen eine obszöne Hatz veranstalten. So wurden wir belehrt.

Uns schien das alles ein wenig übertrieben – bis meine Frau am hellen Sonntagnachmittag dreimal von Strolchen rüde angegangen wurde und schließlich rennend Rettung suchte im nahen Hotel. Die Champs-Elysees verkommen tatsächlich, auch wenn man es innen erst dort ansieht, wo die Hot-Dog- und Fritten-Gastronomie den Rang des savoir vivre bestimmt. Die Polizei, so scheint es, kümmert sich um das sich ausbreitende Rabaukentum nicht sonderlich, sie konzentriert sich auf die Parksünderverfolgung und trödelt kampfstark vor den Schaufenstern der Aeroflot herum. Unsere Freunde behielten recht, wir strichen die himmlischen Gefilde von unserer Shopping list.

„Die Saint-Honore ist ohnehin viel interessanter“, hatten die Freunde gemeint, und das bestätigte auch Gellof Gierig, ein in Frankfurt geborener junger Couturier, der an der Seine sichtlich zu Ruhm kommt. Er wollte uns bis zum frühen Abend begleiten beim „Luxusbummel“, wollte uns zeigen, wo Tout Paris Garderobe, Accessoires und Preziosen ersteht Eine Tagestour durch das Reich der Reichen, ein bemerkenswert preiswertes Vergnügen, wenn man es beim „window Shopping“ beläßt. Aber solche Askese ist hart im Garten der Konsumlüste.

Der Bummel begann dort, wo so vieles beginnt in der französischen Republik, am Elysée-Palast. Die Rue du Faubourg Saint-Honore hat, vom Place des Ternes kommend, bereits ein paar geschichtsträchtige hundert Meter hinter sich. Sie passiert das Haus, in dem General Lafayette ein fünfzehnjähriges Edelfräulein ehelichte, das Heim des schrecklichen Robespierre und das feine Hotel „Bristol“, das sich seit Adenauer der Zuneigung deutscher Regierungschefs erfreut.

Dennoch: So richtig wichtig wird die Straße erst mit dem wachsoldatenumzingelten Sitz des Staatspräsidenten, 1718 erbaut und unter anderem von Madame Pompadour, Ludwig XVI. und den Napoleons bewohnt. Im Schatten des Machtzentrums der Grande Nation beginnt nun ein Slalom im Nobelmarken-Quartier, der in Europa seinesgleichen sucht. Cloé, Rosetti, Cardin, Saint Laurent, Gucci, Aujard, Ungaro, Hermes, Lapidus, Lavin, Hechter, Jourdan, Aigner und Jaeger – ein paar der wahrlich nicht unbekannten Namen, die beide Seiten der engen Straße säumen. Die beliebte Diskussion, welche der Straßenseiten die „bessere“ sei, wird wohl ewig unentschieden bleiben. Uns geht es wie den meisten Passanten, wie hektisch wechseln wir die Seiten und die Schaufenster, gehetzt von offenkundig sportiv veranlagten Autofahrern. Von Einkaufs-„Bummel“ kann hier keine Rede sein, eine Hatz ist es halt, aber auch im bayerischen Sinne des Wortes.