Buenos Aires, im April

Auch in Buenos Aires gibt es „Harrod’s“ – wie in London. In jedem seiner vielen Schaufenster legen hellblau-weißhellblau gestreifte Fahnen Zeugnis ab von der argentinischen Gesinnung der Geschäftsführung, und große Schilder beteuern der Kundschaft: „Harrod’s, das Argentinische Kaufhaus, steht zum Großen Nationalen Augenblick“.

Der Große Nationale Augenblick ist der 2. April, der Tag, an dem die Falkland-Inseln besetzt wurden – oder, wie es in Argentinien heißt: an dem die Malvinen dem nationalen Erbe wiedereingegliedert wurden.

Malvinen, Malvinen, Malvinen – wer in Argentinien die Zeitung aufschlägt, das Radio oder den Fernseher einschaltet, hört es Hunderte und Tausende Male an jedem Tag. als hätte dieses Land keine dringenderen Prooieme gehabt als das Schicksal jener im Südatlantik verlorenen, kühlen und öden Inseln der Pinguine und Schafe: Wir haben sie wieder, 150 Jahre der Schmach sind dank der heldenhaften Geste unserer Streitkräfte ausgelöscht.

In einem großen Inserat versichert die Bank von Argentinien: „An das große argentinische Volk! Heil! Die Malvinen, Georgien und Süd-Sandwichs für immer argentinisch!“ Auf T-Shirts ist der zerschmetterte Falkland-Archipel abgebildet. Fast gleichlautende Dankesbotschaften erhält Präsident Galtieri von den unterschiedlichsten Körperschaften: von Gewerkschaften, von den eigentlich gar nicht zugelassenen Parteien, vom Automobilclub, vom Institut der Genealogischen Wissenschaften, von Kirchenvertretern, vom Verein der Wüstenforscher. Argentinien quillt über von patriotischen Gefühlen.

Wie weht das Banner mehrmals stündlich im Fernsehen? Majestätisch weht es. Der ständig wiederholte patriotische Werbespot beruft sich auf Argentiniens großen Freiheitshelden San Martin und läuft hinaus auf die Parole des Augenblicks: „Vereint geht es leichter“.

Draußen im Atlantik indessen nähert sich, noch langsamer als vorgesehen, gegen 15 Meter hohe Wellen ankämpfend, der seekranke britische Flottenverband. Ende der Woche dürfte er den Sperrkreis um die Falkland-Inseln erreichen, wo sich inzwischen zehntausend argentinische Soldaten eingeigelt haben. Und dann?