Die wachsende Vernunft der Autofahrer hat für eine Branche besonders schmerzliche Auswirkungen: für die Reifenindustrie. Denn seit mit dem Gaspedal vorsichtiger umgegangen wird, um Sprit zu sparen, seit nicht mehr jede Strecke mit dem Auto zurückgelegt wird, werden auch die Reifen weniger schnell verschlissen. Da überdies moderne Reifen länger halten als die Pneus früherer Jahre, fehlen den Reifenverkäufern jetzt die Kunden: Um fünf Prozent sank letztes Jahr der Absatz im Ersatzgeschäft bei Pkw-Reifen, um acht Prozent bei Lastwagen-Reifen.

Wer heute dennoch Reifen kauft, ist deshalb in einer erfreulichen Position: Der Kunde ist wieder König. Da lohnt es sich dann auch, nicht gleich den ersten genannten Preis zu akzeptieren. Denn die Reifenwerke ermutigen ihre Händler geradezu, mit Rabatten den flauen Absatz anzukurbeln. So hat der Marktführer in Europa, Michelin, vor einigen Wochen eine Aktion gestartet, in der bis zum 31. Mai sieben Prozent Rabatt auf gewisse Reifentypen gegeben wird. Die Michelin-Peiserhöhung um fünf Prozent zum Februar dieses Jahres ist damit zunächst einmal mehr als zurückgenommen.

Preissenkungen beim Marktführer aber, so räumen Konkurrenten ein, führen zwangsläufig auch zu Anpassungen bei den Wettbewerbern: „Wir können uns dieser Politik nicht entziehen“, gibt ein Firmensprecher zu; selbst wenn dabei Verluste hingenommen werden müssen. Auch Pneus von Continental, Dunlop und Goodyear dürften deshalb billiger werden. Einzig Veith-Pirelli, der vierte unter den fünf Großen auf dem deutschen Markt, will noch versuchen, seine Preise zu halten.

Da heißt es immer, daß die Konjunkturschwäche diesmal auch die Computerindustrie erwischt hat – und dann kommt Heinz Nixdorf und beweist für sein Unternehmen erneut das Gegenteil: Um 24 Prozent stieg der Umsatz 1981 auf 1,93 Milliarden Mark, und „wir hatten im letzten Vierjahreszeitraum den stärksten prozentualen Zuwachs bisher“.

Von Zurückhaltung, so versichert Nixdorf, ist bei seinen Kunden auch jetzt nichts zu merken; um weit über zwanzig Prozent nahmen Auftragseingang und Umsatz auch im ersten Quartal dieses Jahres noch zu. Weitere rund tausend Neueinstellungen sind deshalb für 1982 geplant, nachdem bereits im vorigen Jahr die Nixdorf Computer AG ihre Belegschaft um 1100 auf knapp fünfzehntausend Mitarbeiter aufgestockt hat.

Und auch um den Ertrag macht sich Nixdorf keine Sorgen: Nachdem 1981 für neue Produkte, unter anderem eine Telephon-Nebenstellenanlage, hohe Vorleistungen nötig waren, werde „1982 sehr viel eleganter für uns sein“.

Eher zufällig ist der Kölner Kaufhof, zweitgrößter heimischer Warenhauskonzern, an fünf kleine Läden in und um Köln herum geraten. Sie wurden ihm stückweise angeboten, und die Konzernherren schlugen ein. In den Läden werden sogenannte Chosen – Pullis, Blusen, Röcke und Hosen – verkauft, sämtlich der Eigenmarken Miss Astor und Lady Astor, die im Preis wie in Qualität im Mittelfeld angesiedelt sind.