Die regierenden Sandinisten in Nicaragua haben einen neuen Gegner: Eden Pastora, als „Comandante Cero“ Held der Revolution.

Im Juli 1981 hatte Pastora, früher Vize-Verteidigungsminister und Chef der Milizen, Managua verlassen, um „irgendwo“ für die Freiheit zu kämpfen. Sein Aufenthaltsort war unbekannt, bis er vorige Woche in Costa Rica auf einer Pressekonferenz das „Volk der Nicas“ aufforderte, „die Verräter der sandinistischen Revolution von der Macht zu vertreiben“.

„Comandante Cero“ wurde berühmt, als er 1978 in Managua den Regierungspalast stürmte, die Freilassung gefangener Revolutionäre, ein Lösegeld und freien Abzug erpreßte. Später baute er von Costa Rica aus die sogenannte Südfront auf, die militärisch die größten Erfolge gegen die Nationalgarde Somozas errang.

In der sandinistischen Hierarchie blieb Pastora stets im zweiten Glied, teils aus Bescheidenheit, teils aber auch, weil er zu jener gemäßigten Fraktion der Aerceristas gehörte, die liberale und sozialdemokratische Kräfte vereinigte. Das Programm der Sandinisten, auf das sich linke wie rechte Somoza-Gegner verständigten, ist stark von den Ideen der Aerceristas bestimmt.

Jetzt wirft Pastora den Regierenden vor, die liberalen, demokratischen und pragmatischen Elemente des Programms zu verraten und damit die ursprüngliche große Koalition zu zerstören. Zwar antwortete Managua sofort, Pastora plappere wie Reagans Papagei, aber die Vorwürfe haben getroffen: Pastora, ein Kleinunternehmer, hat jene praktischen Erfahrungen mit Wirtschaft und Finanzen, die den sandinistischen Sozialismus-Theoretikern völlig fehlen.

Die Sandinisten können dem Kriegshelden weder Mut noch Opferbereitschaft absprechen, erst recht nichts gegen seine Popularität unternehmen. Im Augenblick hilft ihnen, unfreiwillig, der amerikanische Präsident, dessen starke Worte sie zu einer „unmittelbar bevorstehenden Invasion“ ummünzen können; vor der „Gefahr von außen“ verstummen notgedrungen die heimischen Kritiker.

Der – wieder verlängerte – Ausnahmezustand läßt deutlich erkennen, daß sich die Sandinisten in einer Zwickmühle befinden: Die Mobilisierung nationaler Gefühle stützt ihre Herrschaft, schwächt aber jene Reserven an Geld und Energie, die sie für den inneren Ausbau dringend benötigen. Das Land lebt immer noch auf Kredit, die Investitionen bleiben weit hinter den Erwartungen zurück, der (schwierige) Alltag hat den revolutionären Elan aufgezehrt. Managua braucht den „bewaffneten Kampf“, zu dem Pastora aufgerufen hat, nicht ernsthaft zu fürchten – eher die drohende Mahnung des Volkshelden, das revolutionäre Programm – Frieden, Freiheit, sozialer Fortschritt – nicht zu vergessen. –bi.