Fremdwörter sind an sich und als solche nicht böse. Wer von vielen verstanden werden will, wird seine Wörter nicht zu weit herholen. Wer das Fremdwort nicht meiden möchte, wird sich bemühen, es richtig zu gebrauchen. Aber überall sind Fallen aufgestellt.

Es mag gute Gründe geben, von der (griechischen) Psyche zu sprechen statt von der Seele. Das klingt sachlicher, weniger gefühlsbetont, wissenschaftlicher. Was diese Psyche-Seele betrifft, wird man dann nicht „seelisch“, sondern „psychisch“ nennen. Seelenkunde heißt danach Psychologie, und alles, was sich auf die Psychologie bezieht, heißt, psychologisch – also zum Beispiel: ein psychologisches Handbuch, eine psychologische Übung, ein psychologisches Problem.

Was aber sind „die psychologischen Schwierigkeiten der Patienten“? Sie sind schlechtes Deutsch-Griechisch. Denn gemeint sind die seelischen, die psychischen Schwierigkeiten. Und die Unterscheidung ist so streng einzuhalten, wie in diesem Fall glücklicherweise auch Duden es vorschreibt. Da „psychisch“ (auf die Psyche die Seele bezogen) und „psychologisch“ (auf die Psycholoie, die Seelenkunde bezogen) verschiedene Bedeutung tragen, sollten wir froh sein, verschiedene Wörter dafür zu haben und unser Unterscheidungsvermögen nicht kaputtmachen durch fahrlässigen Wortgebrauch.

Wie mit „psychologisch“ verhält es sich mit „soziologisch“ : es heißt „die Sozialkunde, die Soziologie betreffend“ und nur das. Was die Gesellschaft, die societas betrifft, ist „sozial“. Es gibt gewiß auch soziologische Mißstände und Unruhen; gemeint jedoch sind, wenn man derlei liest, fast immer soziale.

Dritte im Verband der so oft zu Unrecht „logisch“ Genannten ist die Technik – von griechisch „techne“, was Kunst, Kunstfertigkeit, Handwerk heißt. Nach dem Vorbild von Soziologie und Psychologie bedeutet auch Technologie: die Wissenschaft, von der Technik nämlich. Wer „Technologie“ andere verwendet, erliegt entweder einem deutsch-griechischen Irrtum oder einem amerikanisch-englischen Fremdwort. In der Tat haben technic, technics, technique im Englisch-Amerikanischen Sonderbedeutungen entwickelt, so daß „technology“ in die Lücke springen mußte, wo „technische Verfahrensweisen“ gemeint waren.

Mir scheint das auch im Englischen überflüssig. Aber hier geht es nicht um die Sprache anderer, sondern um unsere Sprache. Wer Fremdwörter benutzt, sollte sich dennoch keiner sprachlichen Fremdherrschaft unterwerfen. Wir können durchaus, der Wortbedeutung treu, von einer „Technik der schnellen Brüter“ reden und brauchen sie nicht zur „Technologie“ zu verlängern. Und wenn wir dann gar alles, was die Technik betrifft, „technologisch nennen, dann zeigen wir einen derart armseligen Umgang mit Fremdwörtern, daß wir schon lieber gleich deutsch reden sollten. Leo