Nun haben also auch die Deutschen ihr „Retortenbaby“. Am Freitag voriger Woche kam der kleine Oliver in der Universitäts-Frauenklinik Erlangen per Kaiserschnitt zur Welt.

Eine Sensation ist Olivers Geburt freilich nicht, allenfalls ein sehr freudiges Ereignis für seine bislang kinderlosen Eltern aus dem mittelfränkischen Langensendelbach und für das Ärzteteam um Professor Siegfried Trotnow.

Vor fast vier Jahren, im Juli 1978, hatte die Geburt von lovely Louise Brown in England gezeigt, daß die künstliche Befruchtung im Reagenzglas und die anschließende Verpflanzung des Embryos in den Mutterleib „technisch machbar“, ist. Zwischen Louises und Olivers Geburt erblickten mindestens 25 weitere „Retortenbabys“ das Licht der Welt, vor allem in Australien und England. Im übrigen: Tiermediziner meldeten schon 1980 mehr als 20 000 Kälber, die in vitro („im Glas“) gezeugt worden waren.

Die ethische Frage dreht sich längst im Kreis. Ärzte und Eltern sehen in der künstlichen Befrachtung im Glas nichts als eine kleine, künftig sogar preiswert gynäkologische Hilfe. Gegner fürchten Mißbrauch und Mißbildungen.

Olivers Gesundheit spricht für die Ärzte; die Tatsache, daß er ein Junge ist, für deren Glück: fast die „Retortenbabys“ waren bislang Mädchen. GH