Die Besetzung der Falkland-Inseln sollte von der inneren Misere ablenken

Von Horst Bieber

Begonnen hat die argentinische Invasion der Falkland-Inseln und Südgeorgiens mit drei folgenschweren Fehleinschätzungen, einem Streit innerhalb des Militärs und dem Schwächeanfall eines starken Mannes.

Der – im militärischen Sinne – geglückte Coup vom 2. April erweist sich mit jedem Tag der Krise mehr als eine politische Zeitbombe, deren Explosion die in Buenos Aires herrschenden Offiziere wegfegen könnte. Selbst wenn es gelänge, den Zünder anzuhalten, die Seeschlacht vor den „Malvinen“ zu verhindern und den Engländern die blau-weiß-blaue Fahne Argentiniens über Port Stanley für immer abzutrotzen: Die Krise am La Plata wird andauern.

Daß aus der Siegesfahrt der argentinischen Flotte – die, vor 154 Jahren unter dem Kommando englischer Offiziere die letzte Schlacht auf hoher See geschlagen hat – eine politische Kalamität wurde, verdankt die Junta drei Irrtümern:

  • Offenbar hat kein argentinischer Offizier daran geglaubt, daß London unverzüglich eine ganze Flotte in Marsch setzen würde, stark genug, die Argentinier Mores zu lehren, bereit, mit scharfen Granaten zu schießen. Die „Gummilöwin“ entpuppte sich wider Erwarten als eiserne Lady“.
  • Eine vernichtende politische Niederlage erlitt die Junta im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen. Nur Panama schlug sich auf Argentiniens Seite; Moskau und Peking, auf deren Hilfe man fest gerechnet hatte, enthielten sich der Stimme. In der „Organisation Amerikanischer Staaten“ brach ein Graben zwischen den latinos und den englischsprechenden Staaten der Karibik auf, und selbst die Mehrheit der Nachbarn stellte sich auf den Standpunkt, Argentinien erhebe zu Recht Anspruch auf die Malvinen, Gewalt sei freilich nicht der rechte Weg, Völkerrechtstitel durchzusetzen.
  • Die Solidarität der EG mit Großbritannien kam unerwartet; der Wirtschaftsboykott ist schmerzhaft und wird noch fühlbarer werden.

Die drei Fehleinschätzungen legen den Schluß nahe, daß die Militärs gegen den Rat der Diplomaten und Zivilisten gehandelt haben. Tatsächlich sind diese im Januar gefragt worden und haben abgeraten. Ihr begründetes „Nein“ verlor jedoch an Gewicht, weil zu eben jener Zeit die Gespräche mit Großbritannien über eine friedliche Rückgabe scheiterten. Die Falkländer wollten britisch bleiben und auf keinen Fall unter die Herrschaft argentinischer Offiziere geraten; London nahm das Argument des „Selbstbestimmungsrechts“ gern auf.