Wie studiere, wie lehre ich am besten: Rückzug in den Elfenbeinturm, oder raus aus der Universität, um die Realität kennenzulernen? Eine alte Frage, die Studenten und Hochschullehrer immer wieder beschäftigt. Seit aber die geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge kaum noch eine berufliche Zukunft versprechen, drangen die Studenten wieder verstärkt aus der Universität heraus.

Soziologische Vorlesungen in Frankfurt bleiben ungehört, gehen aber die Professoren nach Mörfelden – wo um die Startbahn 18 West gestritten wird dann folgen ihnen die Studenten, um über „gewaltfreien Widerstand“, „militärische Nutzung des Flughafens“ und dergleichen zu diskutieren.

Der Allgemeine Studentenausschuß der Universität Hannover hat jetzt sogar ein „Alternatives Vorlesungsverzeichnis“ veröffentlicht. Wie stark das Interesse an Seminaren sein muß, die vom herkömmlichen Studienbetrieb abweichen, zeigt schon der Umfang: 112 Seiten umfaßt das Programm.

Einen Schwerpunkt bietet die bevorstehende Militärelektronikmesse IDEE im Mai in Hannover. Maschinenbauer bieten ein Seminar an: „Waffen oder nützliche Dinge?“ Die Historiker nehmen die umstrittene Messe zum Anlaß, um die Ursachen von Kriegen zu besprechen.

Doch das größte Interesse scheinen die Studenten zu entwickeln, wenn es um sie selbst geht. Im „Alternativen Vorlesungsverzeichnis“ stellen sich Gruppen wie das „Frauenkollektiv“ und das „Schwulenkollektiv“ vor, werden Seminare wie „Identitätsprobleme studierender Frauen“ angepriesen.

Die Studenten gehen aus der Hochschule heraus, um im „alternativen Lehrbetrieb“ zu sich selbst zu finden.

Die allerneueste Prognose der Kultusminister: Der „Abiturientenberg“ steht nicht schon 1983, sondern erst 1987. 1981 machten 195 300 Schüler Abitur, 1987 werden es 228 900 sein – sagen die Kultusminister. Wer sich fragt, was diese Zahlen eigentlich ausdrücken, und ob sie überhaupt stimmen, der lese eine andere Meldung aus derselben Woche: „Vier von fünf Abiturienten des Jahrgangs 1976 haben bis Ende 1980 ein Studium begonnen. Damit zeigt sich, daß die Größenordnung der Studienaufnahme bei den Abiturienten von 1976 bisher unterschätzt wurde.“ Die früheren Zahlen der Kultusminister stimmten also nicht.