Warum studieren die Ostfriesen nicht in Oldenburg?“ „Na, so dumm sind sie nun auch wieder nicht.“

Der fade Witz erweist sich als schlicht falsch: Mit insgesamt 6300 Studenten stellt Oldenburg die Gründung des letzten Jahrzehnts dar, die am schnellsten gewachsen ist; die Ausgangszahl 1974/75 betrug 2700. Drei von vier Studenten kommen aus der Region zwischen Weser und Ems.

Freilich: 57 Prozent sind Lehrerstudenten. Der Anteil sinkt nur langsam; bei den Studienanfängern sind es 51 Prozent. Darin spiegelt sich, daß Ausgangspunkt der Gründung eine Pädagogische Hochschule gewesen ist, selbst wenn deren Studiengänge inzwischen in eine Nebenrolle gerieten. Auch ein – inzwischen zum Tode verurteilter – Modellversuch einphasiger Lehrerausbildung hat eine wichtige Rolle gespielt. Im übrigen spiegelt sich Schmalbrüstigkeit: Nur in den Bereichen von Mathematik und Naturwissenschaften, Ökonomie, Psychologie, Sozialwissenschaften und einigen Philologien gibt es bisher einen Ausbau, der den Rahmen einer „aufgestockten Pädagogischen Hochschule“ eindeutig sprengt. Es fehlen klassische Fakultäten – neuakademisch: Fachbereiche – wie Theologie, Medizin und Jurisprudenz. Vor allem die letztere wünscht man sich mit der Sehnsucht des Aufsteigers, der im Kreise alter und arroganter Familien um sein Ansehen ringt.

Ist Oldenburg nicht ein Gerichtsstandort von Rang, bis hin zum Oberlandesgericht? Leider will die Landesregierung nicht so, wie sie sollte: Oldenburg beantragte den Fachbereich Rechtswissenschaft – und die Schwestergründung Osnabrück erhielt ihn; Warum? Eine Vermutung besagt: Osnabrück wurde als weniger „links“ eingestuft; hier taugten offenbar die Juristen zur endgültigen, zur Konservativen Stabilisierung, während man in Oldenburg Hopfen und Malz für verloren hielt.

Das führt zu einem heiß umstrittenen Thema: Steht Oldenburg wirklich „links“? Ist es gar „rot“? Warum sonst, sagen manche, plagt es denn die Landesregierungen jeglichen Vorzeichens mit dem Wunsch nach der Namensgebung „Carl von Ossietzky-Universität“? Und warum prangt der Name demonstrativ an einem zentralen Gebäude – trotz der landesherrlichen Ablehnung? (Die SPD ist zwar für den Namen, aber erst, seit sie aus der Regierungsverantwortung vertrieben wurde.) Gibt es etwa DKP-„Unterwanderung“ und -„Seilschaften“? Ein Hochschullehrer hat jüngst Aufregung verursacht, weil er das behauptete und zu belegen versuchte.

Aber eigentlich überall sonst, von der Universitätsleitung über den Personalrat bis hin zu eher konservativen Professoren, sieht man das anders. Gewiß: Es gibt Marxisten und sogar Kommunisten, auch in der Verwaltung; man kennt sie. Und es gibt natürlich die notorische Mühsal der „Gremienarbeit“: politische Richtungen und Listen, Flügelkämpfe, Intrigen, Konflikte manchmal bis hin zur Entscheidungsunfähigkeit. Es hat die Störungen in einzelnen Veranstaltungen gegeben und die obligatorischen „Streiks“. Es gibt auch den seit je linksgewirkten, von marxistischen Gruppen gestellten AStA.

Doch der wirkt eher melancholisch. Seine Einflüsse schwinden langsam, aber stetig dahin. Und vor allem bei den Professoren und sonstigen akademischen Lehrkräften zeigt sich eindeutig, daß die Zahl und die Wirksamkeit derer gesunken ist, die wirklich „links“ stehen – oder die sich selbst und andere glauben machen wollen, daß sie es täten.