Mainz

Nun hat auch das Zweite Deutsche Fernsehen endlich das große Los gezogen. Jahrzehntelang war es der ARD vorbehalten, Samstagabend vor dem „Wort zum Sonntag“ mit der Ziehung der Lottozahlen die Masse der gespannten Zuschauer zum Ein- und Umschalten zu gewinnen. Das soll jetzt anders werden: Mit dem Spiel „7 aus 38“ will das ZDF vom 28. April an jeden Mittwoch um 21.20 Uhr die Einschaltquoten in die Höhe schnellen lassen.

Es gilt, Abschied zu nehmen von liebgewonnenen Sprachgewohnheiten: Zu den „sechs Richtigen“, dem Sinnbild bundesdeutschen (monetären) „Glücks“, gesellen sich fortan die „sieben Richtien“. Schon reden Kreuzchenmaler – 78 Prozent der Erwachsenen beteiligen sich an Gewinnspielen – vom „alten“ und vom „neuen“ Lotto. „Die“ Lottozahlen aus dem Spiel mit einstigem Monopolcharakter gibt es nicht mehr, und aus „dem“ Lotto ist, zumindest im ZDF-Sprachgebrauch, das Spiel „6 aus 49“ geworden.

Daß das ZDF mit der Spielerlaubnis der Deutschen Lotto- und Totogesellschaften beglückt wurde, dankt es dem Ärger um die Erhöhung der Mindesteinsatzsumme (auf zwei Mark) und der Verteuerung der Kästchengebühren (auf eine Mark) im vergangenen Sommer. Die Nation erregte sich, Gerichte wurden bemüht, treue Kunden schworen dem Spiel ab und verzichteten fortan auf das allwöchentliche Ankreuzen von Geburtsdaten aus der nahen Verwandtschaft.

Zwar steigt inzwischen der Umsatz der Lotto-Gesellschaften durch die erzwungene Einsatzerhöhung im gewünschten Umfang, doch mochten sie gegenüber der schmollenden ehemaligen Kundschaft nicht länger als Spielverderber erscheinen. Mit dem neuen Lotto, bei dem von 38 Zahlen sieben Ziffern plus Zusatzzahl anzukreuzen sind, locken die Gesellschaften zwar nur mit einem Spitzengewinn von 1,5 Millionen Mark (gegenüber drei Millionen aus dem „alten“ Lotto), doch darf das „Glück“ preiswerter gejagt werden: Der Mindesteinsatz kostet eine Mark – für zwei Kästchen –, die weiteren Kästchen sind dann wieder für fünf Groschen zu kaufen.

Vertippt haben sich die Spielmacher mit diesem Konzept sicherlich nicht. Das ZDF (Sendeleiter Bendt: „Wir präsentieren das lockerer, menschlicher“) ist zufrieden, die im vergangenen Juli Verprellten spielen wieder mit, und mancher kalkulierende Kästel-Huber wird sein „Glück“ zweimal die Woche wagen. c. d.