Ein Wochenende hat genügt, um Spanien mit der Gefahr eines neu aufflammenden Terrorismus zu konfrontieren. Dagegen soll jetzt auch die Armee eingesetzt werden.

Fünfmal hintereinander, in Barcelona, Pamplona und Bilbao, in der baskischen Kleinstadt Algorta und in Madrid, verübten Terror-Koirmandos der baskischen Etamilitar Anschläge: Ein Polizist wurde getötet, dreizehn Menschen verletzt.

In Madrid wäre es in der Nacht zum Sonntag fast zur Katastrophe gekommen, wenn 150 kg Sprengstoff, wie von den Terroristen geplant, auf den Heizöltanks der Telephongesellschaft Telefonica explodiert wären; zwölf Telefonica-Angestellte erlitten Nervenschocks, als die Bomben statt auf diesen auf den Fluren des mehrstöckigen Gebäudes explodierten. Sie waren von den als Polizisten verkleideten Terroristen festgehalten und erst wenige Minuten vor der Explosion freigelassen wurden. Sachschaden in Millionenhöhe, stundenlang unterbrochene Telephonleitungen in ganz Spanien sowie die Blockade einer wichtigen innerstädtischen Verkehrsader waren die Folgen des Attentats.

Als Reaktion auf die neue Offensive der Eta, die seit Jahresbeginn elf Tote und über zwanzig Verletzte forderte, hat Spaniens Innenminister Roson zur aktiven Mithilfe der Bevölkerung bei der Fahndung nach den Terroristen aufgefordert. Sein bedenklicher Appell, „auf normale und weniger normale Jugendliche zu achten, die sich häufig in modernen Wohnblock-Apartments“ verbergen, klingt wie ein Aufruf zur Denunziation und Schnüffelei. Noch immer ist Spanien ein Land, in dem der aus dem Franquismus stammende Hauswart eine beträchtliche Kontrolle ausübt.

Spanische Sicherheits-Experten gehen davon aus, daß sich der militärische Flügel der Eta in einer neuen Radikalisierungsphase befindet: ein Kommunique von Eta-militar stellte die spanische Regierung vor das Ultimatum, alle Polizeikräfte „innerhalb eines Monats“ aus dem Baskenland abzuziehen; nur der „radikale Bruch der Vergangenheit“ könne aus der Sackgasse herausführen, in der die spanische Regionalpolitik seit über fünf Jahren steckt.

Besonders die widersprüchliche, von politischer Verbohrtheit zeugende Interpretation des Putschversuchs vom 23. Februar 1981 ruft bei Terrorismus-Experten Besorgnis hervor. Eta-militar definiert den Putschversuch als „Autogolpe“, als eigenmächtig inszenierten Putsch, der Spaniens König und die angeschlagene parlamentarische Monarchie vor ihrem endgültigen Niedergang retten sollte. „In der Politik gibt es nichts, was es nicht gibt“, heißt es in dem Eta-Dokument sybillinisch.

Diese Stellungnahme erinnert an die vernebelte Philosophie, mit der sich der Putschist Tejero seinen Richtern präsentiert; auch für den schnauzbärtigen agent provocateur war ja Spaniens König als geheimer Mitwisser im Bunde. Die Gefährlichkeit dieser radikalisierten, auf neue Gewaltaktionen abzielenden Standort-Beschreibung liegt darin, daß neue Terror-Akte gegen militärische Einrichtungen angekündigt werden – und dies zu einem Zeitpunkt, da die Urteile im Madrider Putschisten-Prozeß mit wachsender Spannung erwartet werden.