Die seit Jahren schwelende Werften-Krise hat ein neues Opfer gefordert. Der Schichau Unterweser AG, Bremerhaven, blieb der Gang zum Vergleichsrichter nicht erspart. Erste Leidtragende waren die Aktionäre. Der Kurs ihrer Papiere ist sofort stark zurückgegangen.

Über mangelnde Beschäftigung können die meisten deutschen Schiffbaubetriebe heute nicht mehr klagen. Schon 1981 war die Beschäftigungslage besser als in den beiden vorangegangenen Jahren. Anfang dieses Jahres verfügten die deutschen Werften über einen Auftragsbestand von einer Million Bruttoregistertonnen. Er sichert bei manchen Werften Beschäftigung bis in das kommende Jahr hinein.

Von den Vorstandsmitgliedern großer deutscher Werften wird darauf hingewiesen, daß es 1981 gelungen ist, auch wieder Neubauaufträge zu kostendeckenden Preisen hereinzunehmen. Das war jahrelang nicht möglich – und daraus resultiert bei einigen Gesellschaften jetzt die Misere.

Umsätze garantieren nun einmal nicht Überleben. Jetzt stellt sich heraus, daß bei der Jagd nach Neubauaufträgen die Frage der Rentabilität zu weit in den Hintergrund gerückt worden ist. Es mag zwar betriebswirtschaftlich sinnvoll und sozialpolitisch erwünscht sein, Durststrecken mit nicht kostendeckenden Aufträgen überbrücken zu wollen. Nur muß die Gewähr dafür gegeben sein, daß die eigenen Polster ausreichen, um die Krise durchstehen zu können.

Obwohl es sich bei den deutschen Werften um eine Branche handelt, in der zahlreiche Betriebe am Rande des Abgrunds operieren, nehmen sich die Börseninformationsdienste der Aktien der fünf deutschen Schiffbaubetriebe, deren Papiere noch an den Börsen notiert werden, immer wieder „liebevoll“ an. Sie mobilisieren unter Hinweis auf die sich nun schon seit Jahren angeblich abzeichnende Wende im deutschen Schiffbau Käufer, die sich bei den Werftaktien überdurchschnittliche Kursgewinne ausrechnen.

Daß solche Gewinne möglich sind, beweist die Tabelle „So schwanken Werftaktien“. Die Differenzen zwischen den Höchst- und Tiefstkursen im vergangenen und auch in diesem Jahr machen deutlich, wieviel mit Werftaktien im günstigsten Falle zu verdienen und im ungünstigsten Fall zu verlieren gewesen ist.

Zu einem großen Teil sind die Kursschwankungen Ausdruck der in den meisten Werftaktien herrschenden Marktenge. Davon nicht geplagt sind allerdings die Aktien des Bremer Vulkans. Dafür hatte Großaktionär Thyssen-Bornemisza gesorgt. Einstmals besaß er mehr als 80 Prozent des Bremer Vulkan-Kapitals. In den Glanzzeiten der Werft, als sie noch mehr als 20 Mark je 50-Mark-Aktie ausschütten konnte (davon wurde ein Teil durch die Ausgabe junger Aktien wieder zu-Mark-Aktie begann der holländische Großaktionär mit der Verringerung seines Engagements. Aus heutiger Sicht bekam er dafür gute Preise für seine Aktien.