Türken in Berlin, Jugoslawen in Stuttgart, Spanier und Portugiesen in Hamburg – das sind für uns inzwischen vertraute Bilder. Aber Gastarbeiter gibt es überall, wo viel gearbeitet werden muß, Arbeitskräfte aber knapp sind. In den Vereinigten Staaten sind es die Mexikaner, die über die Grenze kommen, um ihren und ihrer Familien Lebensunterhalt zu verdienen. In Südafrika arbeiten Einwanderer aus Botswana, Namibia und Mozambique. Und wer jemals mit einem vollbesetzten Jumbo-Jet einer asiatischen Fluglinie von Südost-Asien nach Europa geflogen ist, merkte spätestens bei der Zwischenlandung im Mittleren Osten, daß die Maschine mit asiatischen Gastarbeitern vollgepackt war, die zu ihren Arbeitsplätzen in den Golfstaaten reisten.

Sechzehn Millionen Gastarbeiter gibt es gegenwärtig auf der Welt. Sie schicken jedes Jahr etwa 24 Milliarden Dollar in ihre Heimatländer. Diese Übertragungen sind damit zu einem der drei Hauptkapitalströme geworden, die in die Entwicklungsländer fließen. Die anderen beiden sind – in etwa der gleichen Größenordnung – die Entwicklungshilfe und die Darlehen der Geschäftsbanken.

Fortschritte in der Dritten Welt hängen von diesen drei Kapitalströmen ab. Alle drei haben sinkende Tendenz. Die Entwicklungshilfe wegen der weltweiten Wirtschaftsflaute, die Darlehen der Banken wegen der wachsenden Länderrisiken und die Überweisungen der Gastarbeiter wegen der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit in den Industrieländern.

Wielange wollen wir uns den Luxus leisten, eine so wichtige Kapitalquelle durch Emotionen zuzuschütten? R. H.