DIE ZEIT: Auf der Westbank und im Gaza-Streifen tobt palästinensischer Aufruhr gegen die repressiven Maßnahmen der israelischen Besatzungsmacht. Wie beurteilen Sie die Lage?

Jassir Arafat: Was sich auf der Westbank abspielt, ist Teil unserer Tragödie. So wie seinerzeit der palästinensische Exodus, als 60 Prozent unseres Volkes von den Israelis vertrieben und ins Flüchtlingselend gestoßen wurden, ohne Heimat, ohne Staat, sogar ohne Personalausweis. In Form der Camp-David-Verträge, der für die Westbank vorgesehenen „Autonomie“, der von Scharon oktroyierten Zivilverwaltung, der Einverleibung Jerusalems, der Absetzung gewählter Bürgermeister und Stadträte, der Schließung unserer Universitäten und Schulen, der mörderisch-blutigen Gewaltanwendung gegen unsere unbewaffneten Widerstand leistende Jugend – in dieser Münze bezahlen wir die Rechnung für das, was Sie Holocaust’ nennen.

ZEIT: Wollen die Israelis die Westbank annektieren?

Arafat: Das ist das Ziel ihrer Strategie. Sie beschlagnahmen, enteignen, reißen immer mehr Land zum Bau neuer Kolonien und Siedlungen an sich, so wie sie das von Anfang an in Palästina getan haben.

ZEIT: Was kann die PLO unternehmen, um der Existenzgefährdung der Palästinenser auf der Westbank entgegenzutreten?

Arafat: Die israelische Militärjunta ist eigentlich blöd. Sie müßte wissen, daß die Palästinenser durch nackte Gewalt nicht ewig zu zügeln sind. Wir sind uns freilich im klaren darüber, daß wir nicht nur den Israelis gegenüberstehen. Wir sind mit der amerikanischen Nahost-Strategie konfrontiert, und wir sind Opfer dieser Politik. Wir greifen nicht nach dem Mond und nicht nach den Sternen. Wir fordern bloß, daß internationale Legalität und die UN-Resolutionen durchgesetzt werden.

ZEIT: Führt die PLO Regie beim jetzigen Aufstand auf der Westbank?