Auch heute singen wir wieder das Hohe Lied des holen Luftdrucks.

Dr. Uwe Wesp, ZDF-Meteorologe, am 19. April 1982,19.22 Uhr

Angst vor Rot, Gelb und Blau

Manchmal wird die Kunst, die oft so weit vom Publikum entfernt stattzufinden scheint, von diesem ganz erschreckend ernst genommen. Mit einer Plexiglasstange, die als Absperrung dienen sollte, schlug ein Student der Veterinärmedizin in der Berliner Nationalgalerie dreimal auf das dreifarbige Bild „Wer hat Angst vor Rot, Gelb und Blau“ von Barnett Newman. Das Bild, die neueste und umstrittenste Anschaffung im Hause, hat nun drei Beulen, von denen man nicht weiß, ob sie reparabei sind. Er habe Angst gehabt vor diesem Bild und sei empört über den hohen Anschaffungspreis, sagte der 29jährige, der sich zu dieser Bilderstürmerei als Handwerker verkleidet ins Museum geschlichen hatte. Keine Angst vor dem Bild hatte Museumsdirektor Dieter Honisch, der rund ein Jahr lang die 2,7 Millionen Mark, die Newmans Witwe für das 3 mal 6 Meter große Farbfelderbild gefordert hatte, auf spektakuläre Weise und mit rhapsodischen Reden zu sammeln suchte. Da spendierten zum Beispiel deutsche Künstler für den toten Kollegen aus Amerika, will sagen dessen nicht eben verarmte Witwe. Die eine Million, für die der „Verein der Freunde der Nationalgalerie“ bürgte, ist freilich auch trotz solcher Aktionen noch nicht zusammengekommen. Es sieht ziemlich schwarz aus um Rot, Gelb und Blau. Das freilich liegt nicht an dem Bild, das sich nicht wehren kann gegen Rummel und Schläge.

Lust und Labsal – Brunnen

Ergänzend zum Artikel über „Lust und Labsal – die Brunnen in der Stadt“ im ZEITmagazin dieser Woche geben wir hier einen Hinweis auf drei Bücher, die eine angenehme Anregung dafür waren. Das sind vor allem „Wasser im Stadtbild“ von Dieter Boeminghaus (Verlag Georg D. W. Callwey, München; 136 S., viele Abb., 68 DM) und „Brunnen und Wasserspiele“ von Gretl Hoffmann (Julius Hoffmann Verlag, Stuttgart; 192 S., 222 Abb., 70 DM). Einen die Poesie des Gegenstandes spiegelnden Text hat keines der beiden Bücher, wohl weil sie sich nicht zuletzt an Planer, Praktiker und Politiker wenden: Sie wollen informieren. Das erste Buch hat die besseren Photos und das elegantere Layout, das andere wesentlich mehr Beispiele, aber leider kein brauchbares Register. Das dritte Buch, von Ulrich Nefzger (Text) und Josef Dapra (Photos), hat „Salzburg und seine Brunnen“ zum Thema (Residenz Verlag, Salzburg; 200 S., über 80 Abb., 84 DM). Es erzählt weit ausholend die Geschichte der alten Salzburger Brunnen und ihre Verknüpfungen mit der Stadtgeschichte, in einer bisweilen verwirrend gerüschten Sprache, für die man Geduld und eine nicht erlahmende Wißbegier haben muß.

Die Besten? Die Berühmten.