Daß Arbeitsminister Herbert Ehrenberg beim Kanzler nicht mehr hoch im Kurs stand und sein Abschied seit Wochen beschlossene Sache war – zwischen Schmidt und Ehrenberg vereinbart hat den Exminister nach Berichten aus seiner Umgebung nicht so hart getroffen wie die Tatsache, daß er auf dem Münchener Parteitag erst im zweiten Anlauf erneut in den Parteivorstand gewählt wurde.

Besonders schmerzlich mußte ihn dieser Mißerfolg treffen, nachdem Ehrenbergs Widersacher im Kabinett, Finanzminister Hans Matthöfer, bei den Vorstandswahlen sogar noch Stimmen hinzugewonnen hat. Dabei gehörte Matthöfer zu jenen Kabinettsmitgliedern, die im Rahmen der Sparoperationen 82 bereit waren, Sozialdemokratie sche Essentials wie etwa die Lohnfortzahlung für kranke Arbeitnehmer zu opfern. Die Wiedereinführung von Karenztagen, gegen die Gewerkschaften einst sogar gestreikt hatten, stand jedenfalls auch auf der Matthöferschen Sparliste. Aber das schienen die Genossen vergessen zu haben, denn sie lasteten die Abstriche an den sozialen Leistungsgesetzen ausschließlich Herbert Ehrenberg an.

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Forschungsminister Andreas von Bülow hat nun doch die schon seit einiger Zeit erwartete Umorganisation seines Ressorts eingeleitet. Unter der Hand werden die neuen Organisationspläne, die zum 1. Mai in Kraft treten sollen, bereits gehandelt. Danach ist nun eingetreten, worauf viele im Haus gewartet haben und was längst überfällig war: Die Nuklearlobby in der Energieabteilung wurde entmachtet. Seit die Energieabteilung von Ministerialdirektor Wolf Schmidt-Küster und seinem Unterabteilungsleiter Manfred Popp dirigiert wird, hängt ihr der Ruf an, die neuen künftigen Nukleartechnologien und besonders den Schnellen Brüter in Kalkar zu favorisieren. Und bislang ist es Schmidt-Küster und Popp auch immer gelungen, gerade dieses Projekt trotz aller Widerstände und trotz gigantischer Kostensteigerungen über die Runden zu retten.

Die staatliche Förderung der nicht-nuklearen Technologie konnte sich bisher jedenfalls nie der gleichen Zuwendung erfreuen, wie sie auf die Kerntechnologien verwendet wurde. Mit einer eigenen Unterabteilung bekommt die allgemeine nicht-nukleare Energieforschung jetzt den gleichen Rang wie die Kernenergieforschung. Manfred Popp muß seine Projekte nun künftig im Wettbewerb mit dem neuen Unterabteilungsleiter Josef Rembser verteidigen. An der Spitze der Gesamtabteilung bleibt mit Schmidt-Küster zwarnoch ein erklärter Brüter-Fan als Oberaufseher, aber auch der befindet sich schon auf dem Absprung,

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Die Strafanzeige des Bundes der Steuerzahler gegen den Präsidenten der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Unfallforschung in Dortmund, Manfred Hagenkötter, könnte zu einem Musterprozeß führen. Die Anzeige richtet sich gegen den Verdacht der Verschwendung von Steuergeldern. Ausgelöst wurde die Aktion des Steuerzahlerbundes durch einen Bericht des Bundesrechnungshofes. Der hatte die luxuriöse Ausstattung des Dienstzimmers der Leiterin des bei der Bundesanstalt eingerichteten Bundeszentrums „Humanisierung des Arbeitslebens“ beanstandet.