Die Industrie weiß es schon lange: Mit den Windsurfern läßt sich manche schnelle Mark verdienen, und auch die Schreiber haben den Markt auf dem Wasser erkannt – im Windschatten des Bretter-Booms folgte ein Buch dem anderen. Nachdem also schon alle Surfer nachlesen können, wie man geschickt durch die Brandung manövriert oder akrobatisch über meterhohe Wellen springt, blieb nur die Frage: Wo kann man denn surfen?

Jetzt gibt’s auch hier die Antwort: „Surfen in Europa“ heißt ein Büchlein (von Hole und Karin M. Rößler, Mosaik Verlag, München, 152 Seiten, 24,80 Mark), in dem die „170 schönsten Windsurfing-Reviere“ vorgestellt werden.

Doch schon nach der Lektüre der ersten Seiten merkt man, woher der Wind weht: Es ging den Autoren offensichtlich mehr darum, als erste mit einem „Wegweiser“ für Surfer auf dem Markt zu sein, als darum, umfassend zu informieren. Am selbstgesteckten Ziel, Europas schönste Surf-Reviere vorzustellen, wurde jedenfalls vorbeigesurft.

Einzig und allein die Frage „Wann weht wo welcher Wind“ wird ausreichend und mit Sachverstand beantwortet. Für alles andere aber finden die Autoren nur Stichworte (Beispiel: „Surfschulen: ja; Surfshop: ja“). Äußern sparsam war man auch bei der Auswahl der Surfreviere. Die Bayern werden den Schliersee und den Tegernsee schmerzlich vermissen. Letzterer ist immerhin die Heimat der Weltelite-Surfer Niko und Karl-Heinz Stickl. Und die Schweizer werden nach dem auch nicht gerade kleinen Zürcher See vergeblich Ausschau halten. Nicht existent ist ebenso der beliebte Achensee in Österreich – um nur besonders auffallende Beispiele zu nennen.

So sind wind- und wissenshungrige Surfer weit besser beraten, wenn sie zu einem Buch greifen, das ebenfalls in diesen Tagen auf den Markt gekommen ist: der „Surf-Atlas“ (Deutschlands schönste Surfreviere, Verlag Delius, Klasing & Co., Bielefeld, 12,80 Mark), zusammengestellt von den fachkundigen Machern des Surf-Magazins. Dort erfährt der Windsurfer zwar nur etwas über die Reviere Deutschlands – dies aber wenigstens nutzbringend gründlich. Günter Reimann