Von Marietta Riederer

Italiens Mode ist inspiriert von Knappen, Pagen, Pilgern, von eleganten Musketieren in Wams und Weste, mit Stulpenstiefeln, Stulpenhandschuhen, Federhüten und kostbaren Blusen. Auch Jünglinge der Renaissance sind offenbar Vorbild: Gebauschte, überbreite Ärmel, die nur Umhänge statt Mäntel erlauben, bestimmen das Bild. Die Farben sind satt: Violett, Burgunder, Pfau, Pflaume, Senf und Safran, sie werden mit Giftgrün, Farben und Feuerrot aufgeleuchtet oder unter dunklem Leder versteckt. Dramatisches Schwarz fehlt nirgends.

Es gibt viel anzuziehen. Schulterbreite rundgeschnittene Lederkragen mit Nieten bestückt oder hohe Rollkragen, die man separat über den Kopf zieht. Der Hals wird tagsüber versteckt mit Kelchkragen, die, an Blusen seitlich geschlossen, das Gesicht lieblich einrahmen. Pierrotkragen aus schwarzem Tüll zum Umbinden können kurze Partykleider aus Taft verwandeln. Schärpen aus Seide, Leder oder Wollmousseline betonen die Taille, viel öfter aber die Hüften. Üppig geschnittene Lederwesten werden über Jacken gezogen, Ponchos oder Pelerinen über das Ganze geworfen. Sie sind ein typisch modisches Gehabe für 1982/83.

Wadenlange Glockenröcke werden von farbigen Unterröcken gestützt. Kurze Faltenröckchen lassen sich schräg wickeln, und eingereihte Stufenröcke werden von abstechenden Blenden betont. Dazu gehören farbige Strumpfhosen. In Mailand aber überwiegen Hosen jeder Art.

Giorgio Armani hat mit Design und Styling einen luxuriösen Country-Look entworfen. Da gibt es in Farben geometrisch aufgeteilte Ledermäntel, Blousons oder geflochtene Jacken zu langen buntgestreiften Röcken oder Hosen. Und zu allem passen üppig-lässige Wildlederblusen in Madonnenblau, Türkis oder Flamingopink.

Giorgio Armani hat sich aus dem üblichen Reglement ausgeklinkt. Seine Modelle, vorzüglich geschnitten, lässig, zum Wohlfühlen, werden erst zu sehen sein, wenn sie in den Geschäften hängen.

So konnte Gianfranco Ferre Armani vorerst die Schau stehlen. Sein Vorbild: Der Fechtanzug – knappe, seitlich geschlossene Plastrons, schmale Hosen und Röcke, kurz oder wadenbedeckend mit seitlichen Tressen zu kurzen Jacken und hohen Gürteln. Üppige Ärmel finden sich nur an weißen Blusen mit hochgestellten Eckenkragen, die auch unter taillierte schwarze Trägerröcke aus Glanzleder gehören. Schwarz und Weiß dominieren. Sein Stil wird in Übersee bereits akzeptiert.