Am Anfang war es nur die Unsicherheit. Da wollten, in den frühen siebziger Jahren, unter den rund 90 000 „freien“ Mitarbeitern bei Funk und Fernsehen einige hundert nicht länger „vogelfrei“ sein, zwar gut bezahlt, aber ohne Kündigungsschutz und Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall, ohne freiwillige Sozialleistung des Arbeitgebers wie Zuschuß zur Krankenversicherung, ohne dreizehntes Monatsgehalt, Pensionsberechtigung, Urlaubsanspruch, Schutz durch das Betriebsverfassungsgesetz, Mutterschutz.

Zwar wurden auch ihnen bald einige Maschen des sozialen Netzes geknüpft, wenig später aber erzeugte die „erste“ Sparwelle die nicht unrealistische Befürchtung, die regelmäßigen Aufträge und damit die Honorare könnten seltener werden. Schließlich verabschiedete der Gesetzgeber eine Formulierung, die „Tariffähigkeit“ jenen bescheinigte, die „wirtschaftlich abhängig und vergleichbar einem Arbeitnehmer sozialschutzbedürftig sind, wenn sie auf Grund von Dienst- oder Werkverträgen für andere Personen tätig sind, die geschuldeten Leistungen persönlich erbringen und ihnen von einer Person im Durchschnitt mindestens ein Drittel des Entgeltes zusteht, das ihnen für ihre Erwerbstätigkeit insgesamt zusteht“ – die also „Arbeitnehmer“ seien als hinge die Unselbständigkeit von derartigen peripheren Bedingungen ab.

Die Folge war eine Flut von Prozessen. Ganze „Pakete“ von bisher ständig oder auf Produktionsdauer beschäftigten „Arbeitnehmern“ mußten fest angestellt werden – bei der ARD seit 1974 etwa 550. Notwendigerweise erhielt damals mancher Schreibtisch und Sessel, die mit für ihn bislang völlig ungewohnten Aufgaben zusammenhingen. Notwendigerweise auch schotteten sich die Anstalten gegen alle jene Freien rigoros ab, die auch nur geringfügig in den Verdacht kamen, „abhängig“ und damit „klagefähig“ zu werden. War es auch Wahnsinn, hatte er doch Methode: Die Fälle häuften sich, daß eine Produktion nicht zustande kam, weil ein kompetenter Autor nicht verpflichtet werden durfte; statt dessen wurden die Produktionsmittel in überflüssigste Projekte gepumpt.

Die unlängst erfolgreiche Verfassungsbeschwerde des Westdeutschen Rundfunks gegen elf Bundes- und Landesarbeitsgerichtsurteile hat, unbeschadet des Ausgangs der erneuten Verhandlung vor den Arbeitsgerichten, vier Einsichten über die neugewonnene Freiheit erbracht.

Erstens: Wenn denn schon die Festanstellung ein so erstrebenswerter Zustand ist – die Programmfreiheit ist ein höheres Verfassungsgut als die soziale Sicherheit. Das mag man für Legalismus halten – ab und zu steht uns so viel abstrakte Präzision auch einmal gut an.

Zweitens: Aus der Verpflichtung der Rundfunkanstalten zu einer „Vielfalt der zu vermittelnden Programminhalte“ erwächst ihnen auch ein Recht auf die Auswahl derer, die bei der Gestaltung der Programme mitwirken – alle diesbezüglich eingeschalteten Gerichte haben ihre Entscheidungen diesem Grundsatz unterzuordnen. Nichts gesagt ist in diesem Zusammenhang über Filz und Parteienproporz.

Drittens: Nachdem die zum Teil auf abenteuerliche Weise konstruierten Beschäftigungs-Einschränkungen für die „Freien“ wieder entfallen, könnte das alte Gesetz des Marktes erneut wirken, nachdem der Bessere den Guten ersetzt. Nur Illusionisten allerdings werden schon in kürzerer Zeit eine deutlichere Verbesserung im TV-Programm erwarten.