Gedrechselt

Heinz Rudolf Kunze: „Eine Form von Gewalt.“ Der deutsche Liedermacher Heinz Rudolf Kunze aus Osnabrück besitzt neben einem unendlich großen Ego auch Ehrgeiz, der in krassem Mißverhältnis zu seinen Talenten als Pianist, Sänger und Reimeschmied steht. Nicht damit zufrieden, Sachverhalte zu konstatieren, Gefühle auszudrücken, eine nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, Erkenntnisse in knappe Formulierungen zu bringen und sich gelegentlich auch mal einen Nonsens-Vers durchgehen zu lassen, drechselt er meist eine verquaste, merkwürdig haßerfüllte Prosa gegen Politiker und schreckliche Eltern, den Gang der Dinge im allgemeinen und einen „fetten Knirps“ im besonderen. Dieser angebliche „deutsche Randy Newman“ schrieb ähnlich präpotente Reime schon auf dem Debütalbum „Reine Nervensache“, wo er moderne Zeiten dadurch charakterisiert sah, daß man heute „vereinzelt auf der Dauerdame schwitzt“. Soviel aus den Klitter-Reimen anspringende Menschenverachtung, die sich auch noch kritisch gibt, ist nicht mal mehr nur peinlich. (WEA 58 440) Franz Schöler

Originell

„Star-Club Show“. Im April wäre der Hamburger Star-Club, wenn er solange durchgehalten hätte, zwanzig Jahre alt geworden: dieses längst gefeierte Etablissement an der Großen Freiheit 39. Auf diesem „Tondokument“ im „Original-Soundtrack der wilden (acht) Jahre“ begegnet man den frischfröhlichen Beat-Musikanten wieder. Die Searchers sind dabei und die Rattles, die Liverbirds und The Remo Four, Peter Nelson und The Travellers, Wayne Fontana und The Mindbenders, Ian und The Zodiacs, Lee Curtis und The All-Stars, auch Dave, Dee, Dozy, Beaky, Mick and Tich. Heute hört sich dieser Beat rührend an, eine bedürfnislose, ruppige Musik, der die Leidenschaft des Dilettantismus Kraft gibt. Sie macht sentimental. (Star-Club Records/Phonogram 6498 192)

Manfred Sack