Jetzt hat auch Otto Esser, der Präsident der Deutschen Arbeitgeberverbände, angeregt, der „Studentenflut“ mit „marktwirtschaftlichen Steuerungselementen“ entgegenzuwirken. Er will „kostenorientierte Studiengebühren“ mit entsprechenden Darlehen als Anreiz für effektiveres Studieren einführen. Immerhin: Die Wirtschaft stellt weniger Hochschulabsolventen ein als bisher, der öffentliche Dienst ist so gut wie verschlossen, und die Zahl der Studenten steigt.

Aber: „Kostenorientierte Studiengebühren?“ Was ist das eigentlich? Soll ein Medizinstudent mehr bezahlen als ein Philosophiestudent, weil sein Studium „kostenintensiver“ ist? Und „marktwirtschaftliche Steuerungselemente“? Würden die Studenten nicht erst recht in die „billigen“ Studiengänge und damit in die zukünftige Arbeitslosigkeit gedrängt?

Der Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz, George Turner, hielt denn auch dagegen, daß eine „Steuerung“ der Studienbewerber über verstärkte Beratung und gesteigerte Leistungsanforderungen aus „pädagogischen und sozialen Gründen“ vorzuziehen sei.

Größere Bereitschaft zum Berufswechsel von Lehrern hat jetzt der Philologenverband Baden-Württemberg bei einer Befragung von 700 Studienassessoren ausgemacht. Beinahe 60 Prozent aller Bewerber für ein Lehramt an einem württembergischen Gymnasium wollen sich auch um eine Stelle außerhalb des Schuldienstes bewerben. Gut ein Drittel der Befragten wären, wie die Umfrage zeigt, qualifiziert: Sie haben eine berufsbezogene Zusatzausbildung wie ein Fremdsprachendiplom, ein EDV-Zertifikat oder ein Zweitstudium anzubieten.

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Sorgen wegen sinkender Einnahmen werden sich demnächst auch Lehrer machen müssen, die nebenher als Kneipiers ihren Sold aufbessern: Niedersachsens Kultusminister Werner Remmers will diesen Freizeitjob ins Beamtengesetz als anmeldepflichtig aufnehmen und damit verhindern. „Bedanken“ können sich betroffene Lehrer bei einem ehemaligen Kollegen von der Gesamtschule Hemmingen, gegen den wegen eines intimen Verhältnisses zu einer Schülerin der neunten Klasse ermittelt wurde. Aus Tagebuchaufzeichnungen des Mädchens ergab sich, daß der Lehrer nebenher auch Wirt war.

Langfristig denkende Schulpolitiker beschäftigen sich schon längst nicht mehr nur mit steigenden Abiturientenzahlen, sondern mit den Folgen von Geburtenrückgängen. Die nordrhein-westfälische SPD hatte vor Ostern dieses Jahres ein Gesamtschulgesetz verabschiedet, in dem der Fortbestand der Hauptschule nur als „Kann-Bestimmung“ formuliert ist. Nach diesem Gesetz können künftig Hauptschulen aufgelöst werden, wenn in zumutbarer Entfernung eine Gesamtschule existiert.