Von Angela Wittmann-Hausner

Allein? Als Frau willst du allein ... tja ... du willst also wirklich allein... als Frau?“ Ich wollte. Allein als Frau mit dem Rad nach Belgien. Und ich war froh, als ich endlich im Zug nach Aachen, dem Startpunkt meiner Rundreise, saß, bevor mein Selbstvertrauen gänzlich zerkrümelt war.

Belgien erschien mir für meine Urlaubswünsche wie geschaffen: nicht allzu weit entfernt, von der Größe her, 30 000 Quadratkilometer, gerade richtig, um es in einer gemütlichen Rundtour ein wenig kennenzulernen; außerdem gemäßigtes, zum Radeln angenehmes Klima, eine abwechslungsreiche Landschaft, Nordseeküste, Hügelland und Mittelgebirge, dazu noch schöne alte Städte und Kunstschätze und die Gelegenheit, mein Französisch aufzufrischen – was wollte ich mehr?

Mit psychologischen Hintergedanken fange ich dort an, wo Belgien am bergigsten ist: in den Ardennen. Das Wetter ist prächtig.

Im ehemals deutschen Gebiet von Eupen und Malmedy führt mich die Straße durch romantische Wälder und Flußtäler – aber auch auf und ab. Doch die Steigungen sind erträglich, obgleich ich in schwachen Momenten jede Seite meiner Taschenbücher im Gepäck einzeln verdamme.

Mein Radeltempo ist gemächlich – mit Tagesetappen um sechzig Kilometer und Kaffeepausen nach Herzenslust. Manchmal jedoch, vor allem an Wochenenden, werde ich fast mitgerissen von einem belgischen Phänomen: Rudel schneidiger Eddy-Merckx-Imitatoren, meist Herren gereifteren Alters in schillernden Trikots, sausen, tief über die Lenker ihrer Rennräder gebeugt, über den Asphalt, als sei ihnen die Midlife Crisis auf den Fersen ...

Ich dagegen – mit fünf Gängen und vollbepackt mit Lenkertasche, Packtaschen, Zelt und Schlafsack – ich bin ein Ackergaul, der meist den Rennpferden in ruhiger Gelassenheit nachblinzelt.