Wiedersehen mit Saigon – Nachts träumen die Vietnamesen von den Amerikanern

Von Winfried Scharlau

Einmal in der Woche wird der Thailandflug der Air France über Bangkok hinaus nach Saigon verlängert, nach Ho Chi Minh City, wie der offizielle Name lautet. Die Regierung Hanoi hat Sich für das englische Wort „City“ entschieden. Air France bevorzugt dagegen die Bezeichnung „Ho Chi Minh Ville“.

Die Maschine muß über das Chinesische Meer südlich um Kambodscha herumfliegen. Offenbar kann man militärische Geheimnisse der vietnamesischen Präsenz in Kambodscha und der Kampfoperationen gegen die Roten Khmer auch am Fenster eines Jumbos ausspähen.

Beim Anflug von Saigon erkennt man noch Spuren der B-52-Bombenteppiche. Bei der Landung huscht ein Trümmerhaufen amerikanischer Transportmaschinen am Fenster vorbei. Tan Son Nhot, einmal einer der größten Flughäfen der Welt, ist zu einem Schrottplatz des amerikanischen Luftkrieges geworden.

Die etwa vierzig Passagiere, die in dieser Woche nach Saigon einreisen, verlieren sich in der geräumigen Empfangshalle. Anders als in vielen Grenzstationen des Ostblocks tun hier Paßbeamte und Zöllner Dienst, die keine Atmosphäre von Mißtrauen, Schikane und Willkür verbreiten.

Der Paßbeamte begrüßt uns in deutsch. Er hat 18 Monate in der DDR gelebt und einen Teil der Zeit offenbar auch auf das Studium der deutschen Sprache verwandt. Obgleich hier Devisen deklariert und zur Kontrolle auch vorgezeigt werden müssen, wirkt die Prozedur eher freundlich und liberal.