Vielen Dank“, sagte der Feindbildhauer Enrico Trabel, als wir ihn in seiner Werkstatt besuchten, um ihm zum „Großen Kunstpreis der Falkland-Inseln“ zu gratulieren, „es war schon ein kleines Kunststück, die Argentinier für die Engländer und die wiederum für die Argentinier zu Feindbildern zu machen, aber nach dem Verblassen des Iran/Irak-Konfliktes hatten wir so einen Erfolg sehr nötig. Blut ist ein besonderer Saft. Wenn das erstmal vergossen wurde, können wir aufatmen.“ – Mit welchem Material er am liebsten arbeite, wollten wir wissen.

Öl, war seine prompte Antwort. – Wenn es um den Golf-Konflikt geht? – „Nein“, sagte Trabel lächelnd, „wenn es um alles geht. Dann gießen wir noch etwas Öl ins Feuer.“ – Kitt mag er nicht, das klänge so nach Versöhnung. Aber Salz, „um es in offene Wunden wie abgetrennte Gebiete und vergewaltigte Patrioten zu streuen“. Und natürlich Pfeffer, um die Speisen aus der Gerüchteküche zu verschärfen. Und Sand, um ihn den Völkern in die Augen zu streuen. – Wachs? – Nein, das sind schon die Volksmassen in den Händen ihrer Verführer.

Wir forschten weiter nach, was so ein Feindbildhauer braucht. Er holte weit aus: Unterdrückte Minderheiten im Nachbarland. Mißachtete Hoheits-und Souveränitätsansprüche. Und natürlich: umstrittene Grenzverläufe. – „Geradezu unentbehrlich“, vertraute er uns an, „besonders in Verbindung mit Gebietsansprüchen, die bis in biblische Zeiten zurückreichen.“

Zum Thema Grenzen fielen uns Grenzzwischenfälle ein. Ganz leicht zu arrangieren, versicherte uns Trabel. Dazu genügt schon ein betrunkener Soldat, der sich in einer Wüste verlaufen hat und versehentlich eine Grenze überschreitet. Oder ein kleiner Schußwechsel im Niemandsland. – Wir kamen auf das Erbfeindproblem zu sprechen. Die deutsch-französische Aussöhnung bedauerte er als Betriebsunfall. Aber ihm blieben ja noch Polen/Russen, Griechen/Türken, Vietnamesen/Kambodschaner. Einer Feindschaft wegen der in der Schweiz grassierenden Anti-Österreich-Witze gab er keine Dauerchance. „Da fehlt’s am nötigen Chauvinismus“, klagte er, „zum Feindbild gehört nämlich auch eine Portion böser Wille. Leider langt das Haß-Potential bei den meisten Menschen gerade noch für die eigene Familie.“

Wir wollten etwas über seine wichtigsten Helfershelfer erfahren: „Ohne die Massenmedien läuft natürlich nichts. Auch Historiker, die Ansprüche auf Hoheitsrechte wissenschaftlich untermauern, sind immer willkommen. Ferner religiöse Führer, zum Aufputschen der Massen, Bischöfe zum Segnen der Waffen. Schließlich: Staatschefs, die ums eigene Überleben kämpfen und dafür das Leben anderer aufs Spiel setzen.“

Trabeis größtes Erfolgserlebnis? Er überlegte: „Vielleicht die Bilder von den aufgewühlten, fanatischen Volksmassen vor der US-Botschaft in Teheran, und dazu die Photos aus Amerika von den boykottierten Perserteppichen. Optimal!“

Hat er persönliche Feinde, die er haßt? – „Oh, ja. Typen, die so geschäftsschädigende Slogans wie: ‚Liebet Eure Feinde‘ und ,Frieden schaffen ohne Waffen’ in die Welt setzen.“