Fußball ist den Deutschen zwar lieb, aber die Reiseangebote zu den Weltmeisterschaften in Spanien sind den Schlachtenbummlern offensichtlich zu teuer. Bisher wollen nur 1500 die „Mundial 82“ ballnah miterleben

Daß die sonst so reiselustigen Deutschen ausgerechnet bei diesem Sportereignis noch dazu im sonnigen Süden derlei kühle Zurückhaltung wahren, ist erklärlich: Der Spanische Fußballverband, Gastgeber des einmonatigen Championats (13. Juni bis 11. Juli), ließ sich den gesamten WM-Tourismus für knapp fünf Millionen Mark von „Mundiespaña“ abkaufen. Die eigens zu diesem Zweck gegründete Union von vier großen spanischen Reiseveranstaltern und mehreren Hotelketten bot nun weltweit die Eintrittskarten zu den Spielen nur in Verbindung mit einem Reisearrangement an: ohne Hotelunterkunft mit Halbpension kein Ticket.

So mühte sich das Deutsche Reisebüro (DER), Generalagent der „Mundiespaña“ in der Bundesrepublik, seit Juli vergangenen Jahres, den Schlachtenbummlern drei Varianten schmackhaft zu machen: 14 Tage in Gijón zu den Vorrunde-Spielen der Deutschland-Gruppe von 1950 Mark an (für Halbpension sowie sechs Eintrittskarten, aber mit eigener Anreise); drei Wochen in Madrid zu der zweiten Runde und den Finalspielen von 4000 Mark an und schließlich vier Wochen Weltmeisterschaft total in Gijón und Madrid, wo der Fußball-Enthusiast für die bereits erwähnten Leistungen mindestens 5 720 Mark hinlegen muß.

Als bei diesen hohen Preisen der Vorverkauf mehrere Monate nicht in Schwung kam, schoben die Spanier eine Sonderofferte nach, als Zusatz zu den weiter bestehenden Angeboten. Gerd Leidinger, Leiter der Pressestelle des DER, konnte im Januar aufatmen: „Die Fußball-WM ist jetzt erschwinglich.“

Das neue Arrangement kombiniert die Stadionbesuche mit Badeurlaub an der Costa Bianca und ist im Vergleich zu den bisherigen Angeboten um über 2000 Mark billiger. Bereits ab 1410 Mark womit man in Appartements oder Hotels an der spanischen Mittelmeerküste, muß allerdings zu den Spielen der zweiten und der Final-Runde mehrstündige Bustransfers nach Sevilla und Madrid in Kauf nehmen. Neu ist auch, daß eine Begleitperson – jedoch ohne Eintrittskarten – schon ab 310 Mark mitreisen kann.

In Erwartung eines regen Zuspruchs erhöhte man die Kontingente gleich auf 3600. Aber noch ist nicht einmal die Hälfte der Angebote verkauft.

Zur bislang letzten Preisoffensive setzte „Mundiespana“ vor einigen Wochen an, als sie sich bereiterklärte, die Eintrittskarten für die Spiele der Derwall-Elf in Gijón auch einzeln abzugeben.