Von Hans Schueler

Man kann lange darüber streiten, wer wohl die unerfreulichere Erscheinung im öffentlichen Dienst sei: Der Fernmelde-Hauptsekretär Hans Peter oder der Oberstudiendirektor Dr. Karl Heinz Kausch. Ersterer leistete technischen Dienst bei der Bundespost und bekennt sich offen zu den Zielen der "Deutschen Kommunistischen Partei" (DKP). Letzterer leitet ein Gymnasium in Hannoversch Münden, erteilt seinen Schülern Unterricht in Deutsch und Philosophie (Hauptgebiet: Ethik) und bekennt sich heimlich zu den Zielen der – 1945 aufgelösten – "Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" (NSDAP); er hilft deren toten Führer Adolf Hitler nach Kräften zu verherrlichen, Hitlers Verbrechen nach Kräften zu vertuschen.

Doch ein Streit um den Grad der Unerfreulichkeit beider beamteter Zeitgenossen wäre im Grunde gegenstandslos: Sekretär Peter wurde durch Urteil des Bundesverwaltungsgerichts im Oktober vergangenen Jahres nach über zwanzig Jahren untadeliger Dienstleistung wegen mangelnder Verfassungstreue aus dem Staatsdienst gefeuert. Direktor Kausch hingegen darf sein Grotefend-Gymnasium weiterhin fuhren und dort Unterricht erteilen, nachdem ihn die Disziplinarkammer beim Landgericht Braunschweig vom Vorwurf mangelnder Verfassungstreue freigesprochen hat.

Niemand kann erklären, wie das kam. Denn noch liegen die schriftlichen Urteilsgründe nicht vor. Auch der niedersächsische Kultusminister Werner Remmers – Kauschs Dienstherr – kannte sie nicht, als er den Oberstudiendirektor nach dreijähriger Suspendierung wieder in seine vollen Rechte einsetzte. Gleichwohl kann sich heute schon jedermann ein eigenes Urteil bilden, weil die Vorwürfe, von denen einige zum Disziplinarverfahren gegen den Oberlehrer geführt hatten, zum größten Teil bis in die Einzelheiten erhärtet sind:

  • Kausch hat ein begeistertes Vorwort zu dem 1977 erschienenen Buch des Altnazis und Mittler-Architekten Hermann Giesler: "Ein anderer Hitler" geschrieben; dort werden auf 500 Seiten der Führer und die NS-Gewaltherrschaft verherrlicht, werden Verbrecher zu Helden stilisiert und die Männer des Widerstandes als Verräter verunglimpft;
  • Kausch hat sich als ehemaliges Mitglied der Waffen-SS bei Veranstaltungen des rechtsradikalen SS-Traditionsverbandes "Hiag" als Redner im einschlägigen Sinne betätigt und glorifizierende Bücher über die Kriegstaten der Waffen-SS liebevoll besprochen;
  • er hatte die Versuche zweier ihm untergebener Studienräte gedeckt, wenn nicht sogar begünstigt, Schüler des Grotefend-Gymnasiums mit Originalliteratur aus dem Dritten Reich nazistische"" indoktrinieren; eine Dokumentenausstellung über antifaschistischen Widerstand, die in seiner Schule stattfinden sollte, verhinderte er.

Die gegen Kausch erhobenen Vorwürfe betrafen – anders als die gegen Hans Peter – nicht nur sein außerdienstliches Verhalten, sondern auch die Verletzung dienstlicher Pflichten. Sie reichten dem Kultusminister, Kausch zu suspendieren und schließlich ein disziplinargerichtliches Verfahren gegen ihn zu beantragen, das nach der Anklage – er habe sich "durch sein gesamtes Verhalten nicht zu der freiheitlich-demokratischen Grundordnung bekannt" – eigentlich nur mit der Entlassung aus dem Dienst hätte enden können.

Die Disziplinarkammer sah in diesem Verhalten indes nur einen Verstoß gegen das jedem Beamten obliegende Gebot zur "Mäßigung und Zurückhaltung bei politiscner Betätigung". Sie bestrafte den Oberstudiendirektor dafür mit einer Kürzung seiner etwa 6000,– Mark monatlich betragenden Dienstbezüge um zehn Prozent für die Dauer eines Jahres.