Der Dampfer, den die in Euphorie auszuarten drohende Stimmung am Rentenmarkt inzwischen erhalten hat, kam noch gerade rechtzeitig. Nachdem die Anleihe des Landes Bayern bei einer Rendite von 8,75 Prozent mühelos untergebracht worden war und die Zinsen im längerfristigen Laufzeitbereich ihren Abstieg noch weiter fortsetzten, sahen einige Rentenhändler bereits eine „Sieben vor dem Komma“.

Es wird dabei vergessen, daß die in den letzten Wochen stattgefundene Zinssenkung nicht zuletzt die Folge herrschender Materialknappheit ist. Die staatlichen Stellen, allen voran der Bund, haben sich mit der Neuaufnahme von Schulden in letzter Zeit zurückgehalten. Alle hoffen, billiger zum Ziel zu kommen. Diese Rechnung ist bisher aufgegangen. Der Bund mit dem Milliardengewinn der Bundesbank in der Kasse kann noch weiter abwarten. Aber für ihn kommt das dicke Ende in einigen Monaten.

Schon jetzt wird darum gestritten, um wieviele Milliarden das Limit der diesjährigen Neuverschuldung überschritten werden wird, weil die Einnahmen zu hoch und die Ausgaben zu niedrig angesetzt worden sind.

Weiter wird von den Renten-Haussiers übersehen, daß die Zinsen in der Bundesrepublik keineswegs voll von denen der USA abgekoppelt werden können. Zwar fordert Präsident Reagan von den Banken in den USA eine fühlbare Zinssenkung, doch er vergißt, daß auch in den USA Zinssätze! nicht „befohlen“ werden können, sondern sich unter Mitwirkung der Notenbank am freien Markt bilden. Und zwar durch Angebot und Nachfrage. Solange Reagan die Etatfinanzierung nicht im Griff hat, Milliardenlücken also über die Aufnahme neuer Schulden, geschlossen werden müssen, ist in den USA mit einer raschen, durchgreifenden Zinssenkung schwerlich zu rechnen.