Von Peter von Becker

Konkursbuch nannte die Tübinger Verlegerin Claudia Gehrke, nicht unmodisch katastrophenbewußt, 1978 ihre vierteljährliche Zeitschrift für Vernunftkritik, die mit ihrem für Intellektuelle allemal verführerischen Subtitel bald zu einem gesuchten essayistischen Periodikum gedieh. Trotzdem ist eine im selben Verlag und in ähnlicher (halbwegs an einen alternativen Dissertationsdruck erinnernder) Aufmachung vor zwei Jahren gestartete Konkursbuch-Buchreihe bisher fast unter Ausschluß einer kritischen (sprich: rezensierenden) Öffentlichkeit erschienen – und das, obzwar die Edition mit einem Titel eröffnet wurde, der aparter gewiß nicht hätte sein können –

Erik Grawert-May: „Zur Geschichte von Polizei- und Liebeskunst – Versuch einer anderen Geschichte des Auges“; Konkursbuch Verlag, Tübingen, 1980; 152 S., Abb., 12,80 DM.

Als ich mich, neugierig geworden, damals nach dem Verfasser erkundigte, über den es im Buch nur lakonisch hieß: „geboren 1944 in Schlesien, Assistent am Institut für Theorie und Wirtschaftspolitik, FU Berlin“, erfuhr ich, daß dieser Autor bereits an einem zweiten Werk schreibe, welches einige Überlegungen des ersten Buchs aufnehme und fortsetze. Nun zeigt der Band von –

Erik Grawert-May: „Theatrum Eroticum – Ein Plädoyer für den Verrat an der Liebe“, Konkursbuch Verlag, Tübingen, 1981; 207 S., 12,80 DM

auf nachtschwarzer Broschur in Farbe das Frontispiz eines durchaus dubiosen Liebhabers: Goethes Mephisto, in der Gestalt Gustaf Gründgens (während auf dem ersten Band, schwarzweiß noch, ein Konterfei Giacomo Casanovas zu sehen ist).

Worum geht’s?