Von Gunter Hofmann

Er hätte sich "politische Rahmenbedingungen gewünscht, die es ermöglicht hätten, hier zu bleiben; das ist mein Traumjob". Einen Augenblick lang blickt Gerhard Konow traurig auf die kurze Zeit im Verkehrsministerium zurück. Sein Bedauern klingt überzeugend. Und der Satz ist typisch für ihn. Man kann ihn so übersetzen: Helmut Schmidt mußte den Staatssekretär Konow lange beknieen, bevor er bereit war, auf den risikoreichen Sessel eines Chefs im Bundeskanzleramt überzuwechseln.

Den Traumjob hat Gerhard Konow nicht lange ausgeübt. Das Amtszimmer an der Kennen dyallee, das er Anfang April bezog, ist noch ganz kahl, von den Bildernägeln abgesehen, die sein Vorgänger Heinz Ruhnau in den Wänden zurückgelassen hat. Nirgends sonst, so schwärmt Konow ein bißchen, könne man so viel, praktisch und konzeptionell erarbeiten wie im Verkehrsressort. Aber die Pflicht ruft.

Von den Umbesetzungen, die Helmut Schmidt vornahm, fällt die im Kanzleramt vielleicht nicht zuerst ins Auge, aber die unwichtigste ist es deswegen nicht. Konow übernimmt ein Amt, in dem er viel Einfluß hat. Auf ihre Weise haben das die Vorgänger, Manfred Schüler und Manfred Lahnstein, vorexerziert. Bei Lahnstein führte das so weit, daß manche heute spotten, er habe sich selber ins Finanzministerium befördert.

Zum "Jawort" Konows für den Kanzler gab es eigentlich keine Alternative, Dafür sprachen einmal die "Rahmenbedingungen", Das heißt, daß sich sonst keiner fand, der als Nachfolger Lahnsteins für hinreichend qualifiziert gegolten hätte, abkömmlich gewesen wäre und zum neuen, alten "Kleeblatt" aus Klaus Bölling, Hans-Jürgen Wischnewski und Helmut Schmidt gepaßt hätte,

Sodann, das weiß Konow, liebt der Kanzler mehr denn je die vertrauten Gesichter. Oft war Gerhard Konow bei Gesprächen dabei, im Zweifel auch nachts, häufig gerade dann, wenn das Wetter für die Regierung nicht leicht war. Und wie Schmidt übrigens scheint auch er vertraute Gesichter zu lieben, Leute, die berechenbar sind. Jedenfalls erinnert er sich, immer "personale Beziehungen" zu seinen "Dienstherrn" gehabt zu haben. Ob das nun Wiltraut Rupp-von Brünneck (später Verfassungsrichterin) in der Wiesbadener Staatskanzlei, oder der legendäre hessische Ministerpräsident Georg August Zinn waren, Horst Ehmke und Manfred Schüler im Kanzleramt, Helmut Schmidt oder Jochen Vogel. Konow kennt den Kanzler. Er nähert sich ihm nicht vorbehaltlos bewundernd, aber man merkt: er hält auf ihn große Stücke.

Schließlich ist Konow Laufbahnbeamter. Auch wenn er sich in feiner Unterscheidung "nicht einen sogenannten, sondern einen wirklichen Parteilosen" nennt, würde er sich doch deswegen nicht überallhin abkommandieren lassen. Das zu betonen, liegt ihm jedenfalls am Herzen. Sein Schicksal sei mit dem der Koalition verflochten. Aber fällt es nieht verdammt schwer, ein sinkendes Schiff zu betreten? Gerhard Konow, dem das ganze Bild nicht paßt, hält dagegen, auf diesem Schiff habe er doch längst angeheuert. Wenn es untergehe, was er nieht glaubt, werde er also "an Land schwimmen und privatisieren".