Das Warenangebot der Kronkolonie reicht von Nobelmarken jeder Provenienz bis zu Billigprodukten

Von Monika Putschögl

Sein letztes Angebot: 780, mein letztes Wort: 700; er will keinen Dollar runter und ich will keinen Dollar rauf. Aber was sollen wir uns mit Weiterhandeln abquälen, wenn keine Einigung in Sicht ist, dafür aber der nächste Photoladen in Sichtweite. 700 bleibt meine magische Zahl. Nach dem zehnten Geschäft, oder ist es schon das zwanzigste oder ist es schon wieder das erste, bin ich noch immer bei 700 und habe noch immer niemanden gefunden, der mir dafür den Photoapparat samt Blitz und Batterie verkaufen will, den ich unbedingt haben will.

Vor vier Stunden bin ich in Hongkong gelandet, vor vier Stunden hat sich das erste vermeintliche Klischee als Wahrheit entpuppt: Der Anflug ist atemberaubend. Der Jumbo senkt sich über ein inselbesprenkeltes Meer, scheint zwischen Hochhäusern einzutauchen und setzt exakt auf der schmalen, ins Meer hinausgebauten Landebahn des Kai Tak-Flughafens auf. Ein knallig rot gepolsterter schwarzer Cadillac bringt mich zum Hotel, wo ich sogleich zwei Überraschungen gegenüberstehe: dem Luxus und der aufregenden Skyline.

Ein Knopfdruck und mit diskretem Surren weicht der Vorhang zur Seite und gibt ein Bühnenbild frei, das aussieht wie die lebensgroße Projektion einer Reklamepostkarte – die Wolkenkratzerszenerie von Hongkong. Eine Dschunke bewegt sich elegant auf dem Wasser, das spricht für Wirklichkeit.

Sieben Stunden Zeitverschiebung, fünfzehn Stunden Flug, dennoch muß ich los, muß dem nächsten Klischee nachjagen. Kann man ruhen mit dem Bewußtsein, in der Stadt zu sein, die das Einkaufsparadies schlechthin sein soll?

In meinem Kopf schwirrt all das durcheinander, was ich gelesen, was ich gehört habe, quirlen die unzähligen Tips von Freunden: Nathan Road heißt die „goldene Meile“, unbedingt ins New World Centre, das hat gerade erst aufgemacht, immer und überall handeln, morgens auf den Victoria Peak und abends nach Aberdeen zum Essen auf einer Dschunke, die Rolex-Uhr darf höchstens 3500 Mark kosten und echt sollte sie auch sein und überhaupt, aufpassen muß man – und natürlich die Kamera. Ohne sie kann man aus Hongkong nicht zurückkommen.