Hermann Höcherl ist offenbar gelungen, was niemand so recht für möglich hielt: Der frühere Bundesinnenminister hat den gordischen Knoten zerschlagen. Sein salomonischer Schiedsspruch im verzwickten Tarifkonflikt des öffentlichen Dienstes gibt beiden Seiten die Chance, das Gesicht zu wahren – und das war wohl die wichtigste Voraussetzung für eine letztlich doch noch gütliche Einigung der Kontrahenten. Sein Vorschlag: Einkommensverbesserungen von 3,6 Prozent vom 1. Mai an, für März und April eine einmalige Zahlung von vierzig Mark und einen zusätzlichen Urlaubstag.

Bund, Länder und Gemeinden können sich nun brüsten, als öffentliche Arbeitgeber deutlich unter 3,5 Prozent geblieben zu sein. Denn umgerechnet auf zwölf Monate entspricht die Anhebung nur 3,15 Prozent. ÖTV-Chef Heinz Kluncker andererseits kann darauf verweisen, daß zusammen mit der Einmalzahlung und dem Urlaubstag der Abstand zum Abschluß der IG Metall (4,2 Prozent) nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Obendrein darf er als Erfolg verbuchen, daß die so heiß umstrittene Zulagenkürzung nun endgültig vom Tisch ist. „Schlitzohr“ Höcherl hat sein Talent wieder einmal bewiesen. ms