Mit einer glanzvollen Galavorstellung gab Hannsheinz Porst vor zehn Jahren seinen Einstand als Mitarbeiterunternehmer. Seinen in die Nürnberger Meistersingerhalle zusammengerufenen 1500 Beschäftigten schenkte er den größten Teil der Firma und empfahl sich ihnen als Gleicher unter Gleichen. In krassem Gegensatz zur festlichen Premiere vollzog sich das Ende des Porst-Modells Anfang dieser Woche als ein Begräbnis im engsten Familienkreis.

Von der Porst-Verwaltung im fränkischen Schwabach fuhren am letzten Montag Pressesprechef Wolfgang Barn und Finanzbuchhalter Erwin Vogel nach Nürnberg, um beim Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Konkursverfahrens über das Vermögen der Porst-Mitarbeiter-Beteiligungsgesellschaft mbH zu stellen.

Das Beteiligungsmodell, mit dem der erklärte Sozialist Porst eine Synthese zwischen Kapitalismus und Sozialismus verwirklichen wollte, scheiterte – auf eine kurze Formel gebracht – daran, daß die aus 350 Fotofachgeschäften bestehende Handelskette (Jahresumsatz 1981: rund 340 Millionen Mark) Verluste statt Gewinn erwirtschaftete. Von den 31 Millionen Mark, die Porst seit 1979 zugesetzt hat, entfielen allein zwanzig Millionen auf das von Einbrüchen im Bilder- und Super-8-Geschäft überschattete letzte Jahr.

Den zunehmenden Ertragsschwund in seiner Firma hatte der auf einen schnellen Erfolg seines Modells fixierte Porst lange Zeit durch Verkäufe von Teilen seines Betriebsvermögens, wie etwa des Deutschen Supplement-Verlags (Käufer: Bertelsmann) zu kaschieren verstanden. Doch auf die Dauer war eine kräftige Kapitalspritze von außen nicht zu vermeiden. Kurze Zeit nachdem der 1973 im Zorn ausgeschiedene Ex-Geschäftsführer Dieter Reiber als Nothelfer wieder das Kommando in Schwabach übernommen hatte, trat im Herbst vergangenen Jahres als neuer Großaktionär die Schweizer Foto-Ladenkette Interdiscount Holding S.A. mit 48 Prozent in das Unternehmen ein. Hannsheinz Porst und die Mitarbeitergesellschaft zogen sich auf eine unternehmerisch unbedeutende Beteiligung von jeweils 24 Prozent zurück. Reiber hielt 4 Prozent des Kapitals.

Den unerwartet hohen Verlust des letzten Jahres hatten jedoch nach den alten Beteiligungsverhältnissen noch zu zwei Dritteln die Mitarbeiter zu tragen. Schon eine überschlägige Rechnung Anfang dieses Jahres ergab, daß ihr Eigenkapital damit bis zur Neige aufgezehrt war. Da das Porst-Modell die Mitarbeiter nicht verpflichtet, im Notfall neues Kapital nachzuschießen, war das Schicksal der Beteiligungsgesellschaft damit praktisch besiegelt.

Für die „Beschenkten“ von 1972 endet ein Jahrzehnt Gewinnbeteiligung so wieder am Punkt Null. Geld sahen allein die Pensionäre, die sich nach den Statuten ihren Anteil sofort nach dem Übergang in den Ruhestand auszahlen lassen konnten, und Mitarbeiter, die sich rechtzeit einen anderen Arbeitsplatz gesucht haben. Deren Einlage blieben fünf Jahre nach ihrem Ausscheiden als Darlehen im Betrieb, ehe es ihnen in drei gleichen Jahresraten überwiesen wurde. Wer aber erst nach 1976 gekündigt hat und demnach in diesem Jahr Anspruch auf die erste Rückzahlungsrate seines Darlehens hätte, dürfte jetzt völlig leer ausgehen. Denn den für die nächsten drei Jahre mit vier Millionen Mark angesetzten Rückzahlungsverpflichtungen der Mitarbeitergesellschaft steht lediglich ein Bankguthaben von Zwanzigtausend Mark als Vermögen gegenüber.

Für das Scheitern des Porstmodells sind mehr als die allgemeine Wirtschaftslage gravierende Management- und Systemfehler verantwortlich. Unter dem Erfolgsdruck seiner umstrittenen Reform schüttete Porst Gewinne aus, wo eine Anreicherung der Reserven als Risikovorsorge dringend notwendig gewesen wäre. In seiner Leistungskraft geschwächt wurde das Unternehmen obendrein durch ein nivellierendes Gehalts- und Gewinnverteilungssystem, das tüchtigen Mitarbeitern wenig Anreiz zu besonderen Anstrengungen bot. Porsts Versuch, seine Firma in eine Art demokratischen Musterbetrieb zu überführen, in dem von unten nach oben alle Mitarbeiter ihre Vorgesetzten wählen, förderte eher den Aufstieg schwacher Kompromißkandidaten als starker und unbequemer Leute. Noch ehe der jetzt mit rund sechzig Prozent bei Porst herrschende Schweizer Großaktionär in die Firma eintrat, ließ er deshalb die weitgehenden Mitbestimmungsrechte kurzerhand wieder annullieren.

Den noch verbliebenen siebenhundert Porst-Beschäftigten geht das unrühmliche Finale einer mit großen Worten eingeleiteten Reform nach den Turbulenzen der letzten Jahre kaum mehr unter die Haut. Weder gab es Protestmärsche noch schwarze Fahnen. Dem Betriebsrat war der offizielle Abgesang des Mitarbeiterunternehmens Porst nicht einmal mehr eine Sondersitzung der Belegschaft wenn Die meisten Beschäftigten wären schon froh, wenn die Sanierung der Filialkette ohne Entlassungen abginge. An Optimismus zumindest fehlt es dem starken Mann in Schwabach nicht: „Ich bin gerufen worden, Porst wirklich gesund zu machen und die Arbeitsplätze sichern zu helfen“, so Rückkehrer Reiber. „Diese Aufgabe werde ich erfüllen.“ Hans-Otto Eglau