Zur Typologie des Eishockey-Tormannes

Von Horst Vetten

Der Tormann und der Linksaußen, sagt man im Fußball, spinnen. Beim Eishockey kennt man den Linksaußen nicht in Form und Wirkung wie beim Fußball, aber der Torwart muß hier genau wie dort partiell beknackt sein. So ein Eishockeytorwart dient nämlich den Angreifern als Navigationspunkt für ein Attentat, bei dem ein Viertelpfund scheibenförmigen Hartgummis schlagartig in eine Start-Ziel-Bewegung von 150 Stundenkilometern versetzt wird.

Das Geschoß kann Plexiglas zertrümmern, Schienbeine knacken, Kinnladen zerschmettern, und es hat weltweit seinen beständigen Anteil an florierenden Zahnarztpraxen. Niemand schützt den Eishockeytorwart Dei seinem Tun; zuständig wäre der Gott, der Eisen wachsen ließ.

Der Mann, der mit einem Projektil namens Puck exekutiert werden soll, muß über die extrem ausgebildete Fähigkeit verfügen, zeitlich ohnehin schon minimale Vorgänge auf Bruchteile zu verkürzen und sie sozusagen geordnet zu beenden. Stark verkürzt heißt seine Aufgabe, er soll sich von dem Ding nicht erschießen lassen. Er soll es sich schnappen. Ob solcher Vorsatz eine Arglosigkeit des Gemütes voraussetzt, soll hier einmal dahingestellt bleiben. Wichtiger ist, daß der Puckfänger von ziemlich vielen Leuten für ziemlich dämlich gehalten wird; unterschwellig übrigens auch von seinen Kameraden, die ja auch auf Torwarte schießen, wenn auch auf den anderen.

Potentielle Patienten

Im Tor der deutschen Mannschaft stand bei der Eishockeyweltmeisterschaft in Finnland ein Mensch namens Karl Friesen, der die Reporter durch seine, jawohl, beinahe überirdische Ruhe ebenso zu Würdigungen hinriß wie durch seine besondere Beziehung zum Göttlichen. Der Deutschamerikaner hängt nämlich seit frühester Jugend der mennonitischen Freikirche an und bezieht, wie er sagt, von seinem Glauben die Ausgeglichenheit.