Das „Ultra Secret“ der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, das bis dahin streng gehütete Geheimnis, daß sie deutsche Funksprüche entschlüsseln und auswerten konnten, wurde 1974 von Colonel Winterbotham gelüftet (die deutsche Ausgabe seines „Ultra“-Buches erschien 1975). Doch daß und wie auch die Deutschen „wichtige Teile des gegnerischen Funkverkehrs zu entziffern“ vermochten, erfährt man genau und gründlich erst jetzt:

Heinrich Bonatz: „Seekrieg im Äther. Die Leistungen der Marine-Funkaufklärung 1939-1945“; Verlag E. S. Mittler & Sohn, Herford 1981,376 S., 49,80 DM.

Zum ersten Male erhält auch der interessierte Laie einen Einblick in Entschlüsselungsverfahren und Schlüsselmittel während des Krieges; und der Marinehistoriker erfährt eine Unzahl bislang unbekannter oder unvollständig bekannter Einzelheiten des Seekriegsgeschehens, von der „Spannungszeit“ im August 1939 bis zum „letzten Gefecht“ am Abend des 9. Mai 1945, als der kleine Seebäderdampfer „Rugart“, überladen mit 1 500 Mann, sich in der Ostsee gegen russische Torpedoschnellboote zur Wehr setzte und entkam.

Das Buch, gespickt mit Abkürzungen, zu deren Erläuterung allein acht Seiten nötig sind, ist strikt dokumentarisch. Vom Einleitungstext und einigen Bemerkungen abgesehen, enthält es ausschließlich „Auswertungen“ des mitgehörten, mitgelesenen Funkverkehrs. Sein (mittlerweile verstorbener) Verfasser war Chef der Funkaufklärung in der deutschen Seekriegsleitung. Er hat kein Lesebuch, sondern ein Quellenwerk vorgelegt. In seiner trockenen En-Detail-Darstellung ist es für jeden, der Richtiges und Fehler in der deutschen Seekriegsführung ausloten will, unerläßlich. A. R.