In der vergangenen Woche tauchte gleichsam als Gottesgeschenk ein Zeuge auf, der beschwören wollte, daß die Angler – und nicht die Enten – die Zukunft vernichten.

Der Enten-Termin nähert sich. Alle Rollen waren gut verteilt. Was der feindliche Angler-Anwalt vor Gericht auch vortragen könnte – wir hatten die Gegenargumente parat. Unsere Zeugen waren präpariert. Sie würden prächtig funktionieren, und das ohne Meineid-Gefahr! Auch versprachen die Meteorologen, daß es ein schöner Tag sein werde.

Überhaupt: Es war eine Stimmung wie am Vorabend eines großen Festes. Die Sonne ging ganz sauber unter, so völlig ohne bedrohlichen Vorhof, und die Vögel sangen, und die Enten purzelten übereinander, daß man gar nimmer unterscheiden konnte: Wer purzelte über wen, und war es Zank oder Liebe?

Eigentlich war der Vorabend, wie ich rückblickend feststellen muß, viel wichtiger als der folgende Tag. Er bot allein schon im Naturgeschehen, soweit es im Garten und unter den Erlen stattfand, die Garantie, daß die Ente viele Eier legen würde, die – wären sie erst ausgebrütet – die Dreiecksfamilie fortsetzen würden bis ans Ende der Zeiten.

Und wirklich haben sich – das sei vorausgeschickt – diese drei fleißigen, emsigen, liebesgierigen Geschöpfe in ihrem Zeugungswillen schlechthin selbst überboten, so daß es denn nicht verwunderlich ist, wenn heute viele Entenfreunde über den enormen Nachwuchs staunen, den sie hervorgebracht haben. Sind es zwanzig, fünfzig, sind es hundert Enten oder mehr? Ich kann es beim besten Willen nicht mehr sagen. Es ist ein einziges Gewoge von schieferblauem und schwarz-weißem und schwarzem Gefieder, dazu die roten Schnäbel. Ach, es ist eine Fülle, an die ich nur mit Wehmut zu denken vermag.

Als ich anderen Morgens aus dem Fenster guckte, sah ich, wie die Enten badeten und sich mit Wasser besprühten. Und ich hörte es im Badezimmer rauschen. Alexandra badete auch, so daß ich rief: „Du gehst ja doch zum Richter, nicht zum Arzt!“ Und ich flehte: „Laß mich doch mitkommen zum Gericht!“

„Kommt ja gar nicht in Frage!“ schrie sie aus der Badewanne.