Im Schwarzwald soll Uran abgebaut werden

Von Jörg Bischoff

Stuttgart

Hermann Person (CDU), früher Regierungspräsident in Freiburg und als Ruheständler Präsident des Schwarzwaldvereins, meint lakonisch: „Uranabbau und Fremdenverkehr vertragen sich nicht.“ Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Rudolf Eberle dagegen, gleichzeitig Präsident des Landesfremdenverkehrsverbandes, denkt da anders, 70 Kilometer vom umstrittenen Kernkraftwerksstandort Wyhl entfernt am Oberrhein soll in den nächsten Jahren ein zweiter Kriegsschauplatz für die Gegner der Atomindustrie eröffnet werden. Ausgerechnet in Menzenschwand, dort wo der Schwarzwald am dunkelsten, schönsten und am höchsten ist, haben vor 22 Jahren Spürtrupps der „Gewerkschaft Brunhilde“ Uran entdeckt. In 180 Metern Tiefe, so jetzt die Gewerkschaft, lagerten 1500 Tonnen Uranerz mit einem Gehalt von etwa 75 Tonnen Reinuran, bei 400 Metern Tiefe ließen sich möglicherweise weitere 5000 Tonnen Erz mit einem Gehalt von 0,75 bis einem Prozent finden.

Als das Feld vor fast einem Vierteljahrhundert gefunden wurde, ging zunächst ein Aufatmen durch die baden-württembergische Bevölkerung. Das Land, das sonst nur Salz und Kies als Bodenschätze kennt und seit Jahrzehnten neidisch auf das Ruhrrevier blickt, sah endlich einen Platz für sich an der Sonne. „Brunhilde“ erhielt fünf Jahre später die Genehmigung, in Menzenschwand und bei Gernsbach in der Nähe von Baden-Baden zu schürfen, um nachzusehen, ob sich der Abbau des Erzes lohnt. Immer wieder verlor die Firma die Lust am zermürbenden Geschäft in dem wäßrigen Granit und Gneis des Urgebirges. Seit aber der Weltmarktpreis für den umstrittenen Brennstoff steigt und nicht mehr sicher ist, ob es noch überall zu haben ist, stieg das Interesse der Firma wieder. Und als am 1. Januar dieses Jahres das neue Bundesberggesetz in Kraft trat, demzufolge Uran nicht mehr dem Staat gehört, sondern dem, der es findet, stand für „Brunhilde“ fest: „Die Lagerstätte ist bauwürdig.“ Schon drei Tage später, am 4. Januar dieses Jahres, schickte die Gewerkschaft ihren Antrag an das Stuttgarter Wirtschaftsministerium, zunächst einmal 50 Jahre lang in Menzenschwand abbauen zu dürfen.

Geht es nach der Gewerkschaft, so sollen im Sommer etwa vier Lastwagen täglich das Bergwerk „Hans Paul“ verlassen und an Kurhotels vorbei zum Bahnhof Seebrugg donnern, von wo das Erz mit der Bahn zur Aufbereitungsanlage in Rheinland-Pfalz gebracht werden soll. Nur im Winter, wenn im Hochschwarzwald die Kurgäste den Skifahrern weichen, könnten es auch einmal sechs Lastwagen am Tag sein. Jedenfalls werde die Belästigung der Kurgäste in Menzenschwand und dem nahegelegenen St. Blasien nicht größer sein, als bisher schon während der Probeschürfungen.

Für die Umweltschützer aber ist dies gerade der Beweis dafür, daß man sie „getäuscht“ habe. Der Landesgeschäftsführer des Bundes für Umwelt und Naturschutz, Erhard Schulz: „Jahrelang hat man uns mit dem Schürfgebiet hingehalten. Jetzt plötzlich ist alles für einen Abbau vorhanden.“ Auch Hermann Person, der sich als Regierungspräsident gegen die Schürfkonzession gewehrt, sich dem Druck seiner Landesregierung jedoch beugen mußte, spricht von „Salamitaktik“. Schon vor Jahren war Person einmal in „Brunhildes“ Grube gefahren und hatte sich gewundert, „wie gut das alles ausgebaut ist“. In der Tat hat die Gewerkschaft gut vorgesorgt: „Die technische Durchführung der Gewinnung (kann) mit den bereits vorhandenen Einrichtungen unter und über Tage durchgeführt bzw. begonnen werden“, heißt es im Genehmigungsantrag.