Das Schicksal des von einer Exocet-Rakete bei den Falkland-Inseln versenkten britischen Zerstörers „Sheffield“ warf Schatten auf einen bundesdeutschen Festakt. Zwei Tage nach dem Desaster im Südatlantik stellte die Bundesmarine in Wilhelmshaven die Mehrzweck-Fregatte „Bremen“ als erstes von sechs-Schiffen desselben Typs feierlich in Dienst. Die anwesenden Marineoffiziere wurden gefragt, ob es wohl einer von mehreren Zwecken der pro Stück über fünfhundert Millionen Mark teuren Fregatten sei, sich im Ernstfall sogleich von einer vergleichsweise billigen, feindlichen Anti-Schiff-Rakete in den Grund der Nordsee bohren zu lassen.

Unsere Marineführung glaubt nicht an solche Gefahr. Sie argumentiert so:

Erstens haben die Sowjets – noch – keine der Exocet an Zielgenauigkeit vergleichbare Anti-Schiff-Lenkwaffe.

Zweitens werden die deutschen Fregatten der „Bremen“-Klasse demnächst mit dem Raketen-Abwehrsystem RAM (Rolling airframe missile) ausgerüstet – eben der Art von Anti-Raketen-Rakete, auf die die Briten bei ihren Zerstörern aus Gründen der Kostenersparnis verzichtet hatten. Für jedes deutsche Schiff sind zwei Werfer mit je 24 RAM vorgesehen. Das System wird allerdings erst in etwa zwei Jahren truppenreif sein.

Bis dahin müssen sich die Fregatten auf ihre elektronischen und mechanischen Abwehrmittel gegen Anti-Schiff-Raketen verlassen: Die hochentwickelte ECM-Einrichtung (Electronic counter measures) der Schiffe kann den Suchkopf einer anfliegenden Feindrakete stören und sie vom Weg ins Ziel ablenken. Außerdem können die Schiffe sogenannte „Düppel“ ausstoßen – ähnlich den von den alliierten Bombern im Zweiten Weltkrieg abgeworfenen Stanniol-Streifen – und damit Phantom-Ziele erzeugen, die ebenfalls den Suchkopf irritieren.

Über ECM und „Düppel“ verfügte freilich auch die „Sheffield“, als sie von zwei argentinischen Flugzeugen mit der Exocet angegriffen wurde. In Marinekreisen vermutet man, der Angriff sei von der Besatzung zu spät erkannt worden, als daß noch wirksame Abwehrmaßnahmen hätten eingeleitet werden können. H. Sch.