Die arabische Welt ist sich uneins, ob sie Ägypten wieder aufnehmen soll oder nicht.

Für König Hussein von Jordanien ist die „Befreiung des arabischen Sinai“ der Beginn einer „neuen Ära“ und Hosni Mubarak schon wieder ein „echter Araber“. Die radikalen Mitglieder der arabischen Liga werfen Ägypten dagegen vor, es habe die Souveränität über die Sinai-Halbinsel „zu Lasten des palästinensischen Volkes“ zurückerlangt. Syrien, unterstützt von Libyen und PLO-Strategen, warnt vor der Aussöhnung mit Ägypten.

Die ägyptische Führung stellt eigene Forderungen. Hosni Mubarak denkt vorerst gar nicht daran, den Frieden mit Israel aufs Spiel zu setzen, um wieder in die „arabische Familie“ aufgenommen zu werden.

Mubarak setzt Zeichen, um seinen guten Willen zu beweisen. Die Waffenhilfe für Irak läuft nicht länger über das Sultanat Oman, sondern über eine direkte Luftbrücke zwischen Kairo und Bagdad. Täglich werden 160 Tonnen Munition und Kriegsgerät nach Irak gebracht; die Sicherheit der Golfregion, so Mubarak zu Sultan Kabus von Oman, berühre die strategischen Interessen Ägyptens. Kairo plant angeblich sogar, Truppen an die Front in Chorramshar zu schicken.

Irak hat auf die ägyptische Solidarität schon reagiert. Saddam Hussein lud Ägypten dazu ein, im Herbst an der Konferenz der blockfreien Staaten teilzunehmen.

Hosni Mubarak begrenzt seine Politik der freundschaftlichen Gesten nicht auf Bagdad. Die Bürger von zwölf arabischen Staaten können ab sofort ohne Visum nach Ägypten einreisen; das Kairoer Informationsministerium garantiert außerdem allen arabischen Journalisten freie Berichterstattung. Die liberale Pressepolitik kommt auch den ägyptischen Medien zugute, die über Israel berichten: Die Zensur für alle Filme und Kommentare über die blutigen Auseinandersetzungen im besetzten Westjordanien wurde aufgehoben.

In Israel wird dies aufmerksam registriert. Ist die Zeit der Rücksichtnahme vorbei? Hosni Mubarak will auf keinen Fall in Jerusalem über die Autonomie der Palästinenser verhandeln. Begründung: Ost-Jerusalem sei Verhandlungsgegenstand; die israelische Proklamation der „ewigen und geeinten Hauptstadt Jerusalem“ sei null und nichtig. Bruno Funk (Kairo)