/ Von Klaus Pokatzky

Die Szene ging mit dem Senator kumpelhaft ins Gericht. „Ulf, du kleiner Schelm“, so sprach die „Netzwerk-Selbsthilfe“, der Dachverband alternativer Projekte und Initiativen den Berliner Sozialsenator, Ulf Fink (CDU) in einer Zeitungsanzeige an, „für wie dumm hältst du die Leute eigentlich?“

Das Netzwerk ist eine der ältesten und seriösesten alternativen Unternehmungen, hat 6000 Mitglieder und prominente Unterstützung, unter anderem von Heinrich Albertz, Helmut Gollwitzer und Volker Schlöndorff. Was das Netzwerk so verärgerte, war ein Coup, mit dem die CDU nicht nur die alternative Szene nachhaltig verunsichert hat: 52 Millionen Mark versprachen Berlins regierende Christdemokraten im Haushalt des laufenden Jahres für alternative Selbsthilfe-Projekte lockerzumachen. „Etikettenschwindel“ witterte das Netzwerk und meinte kurz und bündig: „Also, Ulf, meld’ dich mal wieder, wenn du wirklich was zu bieten hast.“

Der Senator reagierte prompt auf die „amüsante, wenn auch teuere Zeitungsanzeige“. Er hoffe, schrieb er an das Netzwerk, „daß die weitere Zusammenarbeit“ zwischen Alternativen und Senatsleuten „in einem konstruktiven Sinne verläuft“. Und: „Ich freue mich, daß Sie den Entschluß gefaßt haben, die Zusammenarbeit aufzunehmen.“

Das sind schon Töne, die irritieren müssen. Mehrere Christdemokraten, bei denen man immer an den schlagstockrasselnden Innensenator Heinrich Lummer denken muß, tändeln freundschaftlich-burschikos mit den Alternativen? Loben die Aussteiger in einer Senatserklärung zum Thema gar in einem Maße, wie man es noch nicht einmal von einer sozialdemokratischen Regierung gehört hat? In der Tat. Viele alternative Gruppen, so erklärte Senator Fink auf eine Anfrage der gemeinhin als hinterwäldlerisch verschrienen CDU-Fraktion, leisteten „auf sozialem und kulturellem Gebiet einen bedeutenden Beitrag zur gesellschaftlichen Entwicklung“. Es müßten „auch die Chancen genutzt werden, die sich für die Stadt durch die Vielfalt der alternativen Lebensbewegung auftun“.

„Viele Berührungspunkte mit Motiven und Zielen auch der CDU stellte der Senat fest: „Die Prinzipien der Eigenverwaltung und Eigenverantwortung, der Dezentralisierung, der Ablehnung einer Verstaatlichung aller Daseinsbereiche und des totalen Wohlfahrtsstaates, der Ablehnung eines bloßen Konsumverhaltens.“ Die „alternative Kultur“, setze auf „Kreativität, Eigeninitiative, Gemeinschaftlichkeit und eine dem Sozialismus fremde Einheit zwischen kollektivem Handeln und Individualismus durch Solidarität“. Sie suche nach „Wegen zu größerer Mitmenschlichkeit und zu mehr Geborgenheit“.