Der Bundeskanzler im Kreise amerikanischer Lehrlinge, zudem im Kabinettssaal: Auch dieses Bild gehört zu den mitunter geradezu heroischen Bemühungen, Unmut und Mißverständnisse im Verhältnis zur transatlantischen Vormacht wieder aus der Welt zu schaffen. Die jungen Leute aus Virginia und North Carolina in den Ministersesseln genossen jüngst allerdings Vorzugsbehandlung – jener Hamburger Industrielle, der sie zusammen mit einer hanseatischen Bank zu einer dreimonatigen kostenlosen Berufsausbildung herüberholte, ist ein Freund Helmut Schmidts.

Daß man eigentlich ganz unten anfangen muß, nämlich mit „Graswurzelarbeit“ und bei jungen Leuten, um die jetzt oft so schwierigen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten wieder in die Reihe zu bringen, wird allmählich Allgemeingut. Peter Männing von der SPD, ein Mann mit „Berliner Schnauze“, hat großes Unwissen, ja manchmal sogar Feindseligkeit gegenüber der Bundesrepublik registriert, als er sich jüngst als Vorsitzender der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe in den Staaten umsah. Schlimmer noch: Mit ihrem Wunsch nach formalisierten Kontakten stießen er und seine Mitreisenden, Graf Stauffenberg von der CSU und Wolf-Dieter Zumpfort von der FDP, überall auf Ablehnung.

Das muß man zunächst nicht besonders tragisch nehmen, weil die amerikanischen Parlamentarier, von ihrer sonstigen Umtriebigkeit ganz abgesehen, den Anfängen wehren wollen. Parlamentarier aus vielen anderen Staaten stehen auch schon Schlange. Aber ein Symptom bleibt das doch – zum Beispiel für den Wechsel der Generationen und der Interessen seit jenen mittlerweile fernen Jahren, in denen das deutsch-amerikanische Verhältnis vor eitel Harmonie nur so glänzte.

Den Amerikanern geht wohl der unaufhörliche Besucherstrom aus Bonn und anderswo auf die Nerven, der in den USA den bilateralen Haussegen wieder ins Lot bringen will. Die deutsche Botschaft in Washington, geplagte Vermittlerin unablässiger Gesprächswünsche, zählt allein die weniger prominenten Stippvisiten seit Jahresbeginn nach Hunderten.

Aber wenn dem so ist, wenn die Union per Bundestagsantrag für eine Verbesserung der kulturellen Beziehungen zu den USA plädiert, und wenn SPD und FDP an einen ähnlichen Vorstoß denken – sollte der Bundestag dann nicht mehr Geld für die Besuche amerikanischer Politiker hierzulande zur Verfügung stellen?

Es muß ja nicht immer gleich ein Gruppenbild mit dem Bundeskanzler sein.

Richtig vorstellen kann man sich, wie Carl Ewen – einer der sozialdemokratischen Fraktionsgeschäftsführer und Rektor a. D. – sich zur Schönschrift niedergesetzt hat, in allerbester Absicht. „Das von vielen sehnlichst erwartete Buch liegt vor Euch“, hat er an die Genossinnen und Genossen geschrieben. Gemeint ist Herbert Wehners „Zeugnis“, eine Auseinandersetzung des alten Herrn mit seinen politischen Erfahrungen. „Beim Lesen dieses Buches“, so Ewens Waschzettel weiter, „dürfen wir an dieser Auseinandersetzung teilnehmen. Wir danken Herbert Wehner für diese Möglichkeit.“