Pariser Zustände wünscht man sich an der Spree: Wenn in der Hauptferienzeit die Eingeborenen das Weite suchen, soll der Touristenstrom fließen. Das große „Sommerloch“ wollen die Stadtväter füllen, im Juli und August, obwohl zu dieser Zeit Hauptattraktionen wie Philharmonie, Staatstheater und Oper pausieren.

Berlin wirbt deshalb mit neuem Konzept. Es will auf andere, nicht so populäre, mehr versteckte Schauplätze in der Stadt aufmerksam machen. Spezifischen Duft der großen weiten Welt möchte man heute vermitteln. Handfeste Wirtschaftsinteressen und ein niedergehender Berlin-Tourismus (ZEIT Nr. 47 vom 13. November 1981) stehen hinter der Aktion.

Der Senat will einem „Bettenberg“ zu Leibe rücken, den die alte SPD/FDP-Regierung hinterließ – Folge eines öffentlich geförderten Hotel-Bauprogramms, entstanden aus einer Mangelsituation, die einst sogar manchen zum Übernachten nach Ost-Berlin ausweichen ließ. Aber die Rezession läßt nun viele Betten unbenutzt. Touristen bleiben aus, und für Spesenreisende heißt es jetzt öfter: morgens hin und abends zurück. Das bereitet den Verantwortlichen Sorge. Denn Berlins Fremdenindustrie ist mit 30 000 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von rund zwei Milliarden Mark im Jahr ein Wirtschaftsfaktor, mit dem gerechnet werden muß.

Zum Werbe-Wettstreit, dotiert mit 400 000 Mark, wurde aufgerufen, aus dem als Sieger die „Uniconsult“ hervorgegangen ist. Ihr nun vorgelegtes Konzept ist, da erst Ende März der Werbe-Etat des Senats genehmigt wurde, ein „spezielles, kurzfristig gut umsetzbares Angebot für den anspruchsvollen Touristen“. Gedacht ist an einen Kurzurlaub für Leute mit gehobenen Ansprüchen, nach dem Motto: „Raus aus dem Alltag nach Berlin“, geplant als „Exklusiv-Programm für Individualisten“, das Museen, märkische Landschaft, Schlösser und Gärten erschließen will. Die Werbetrommel soll von Mai an unter dem Motto: „Berlin: es gibt viel zu entdecken“ in der Bundesrepublik und im deutschsprachigen Ausland gerührt werden.

Zwölf solcher Entdeckungsfahrten bietet das Berliner Sommerprogramm vorläufig an. Nach den Plänen der jeweiligen Museums- und Institutsdirektoren unter fachkundiger Leitung ihrer Mitarbeiter werden Spezialführungen veranstaltet. So kann dem „Zauber der Südsee“ und dem „Gold von Peru“ auf die Spuren kommen, wer sich ins Völkerkunde-Museum begibt. Berlins Verwaltung „Schlösser und Gärten“ wird Interessenten mit der „Kunst der Gärten“ vertraut machen und die „Tricks der Fälscher“ sind das Thema von Professor Josef Riederer und seiner Mannschaft, die privaten Sammlern und Kunstfreunden ihr Labor öffnen wollen. Mitgebrachte Raritäten können dort geprüft werden. Des weiteren angeboten werden Wanderungen durch den „Botanischen Garten“ und ein Besuch bei den Panda-Bären im „Zoologischen Garten“.

Die „Welt der Romantik“ wird Besuchern der Museen des Preußischen Kulturbesitzes mit Caspar David Friedrich nähergebracht, der „chinesiche Kaiserthron“ wird im Museum für Ostasiatische Kunst präsentiert und in der Gemäldegalerie die „Malerei des Abendlandes“ an Hand von Tizian-Gemälden. Den „Goldschatz der Cleopatra“ gibt es im ägyptischen Museum zu sehen und in der Schatzkammer im Antiken-Museum das „Silber der Antike“.

Wer dann genug der Bildung hat, kann sich im einmaligen Feinschmeckerparadies des weltbekannten Kaufhauses KaDeWe erholen – natürlich auch unter sachkundiger Führung. Gabriele Engert